Schwimmen,Wasser und Wassertiere

08.03.2006., srijeda

Wale

Wale


Buckelwal (Megaptera novaeanglia)
Systematik
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Wale

Wissenschaftlicher Name
Cetacea

Unterordnungen
Bartenwale (Mysticeti)
Zahnwale (Odontoceti)

Die Wale (Cetacea) sind eine Ordnung der Säugetiere mit knapp 80 Arten, die alle ausschließlich im Wasser leben. Bis auf einige Flussdelfinarten leben sämtliche Walarten im Meer. Die umgangssprachliche Bezeichnung Walfisch ist irreführend, da Wale nicht zu den Fischen zählen.

Wale zeichnen sich durch eine für höhere Säugetiere (Plazentatiere, Eutheria) ungewöhnliche Langlebigkeit aus. Manche Arten, wie etwa der Grönlandwal, können ein Alter von über 200 Jahren erreichen; das bisher älteste bekannt gewordene Exemplar, ein Männchen, starb im Alter von 211 Jahren.



Merkmale
Allgemeines

Wale sind neben den Seekühen die einzigen vollständig an das Leben im Wasser angepassten Säugetiere. Sie verbringen ihr ganzes Leben im Wasser und sind auch nicht in der Lage, an Land zu überleben. Dort würden sie sich durch ihr schweres Gewicht selbst erdrücken, sie würden austrocknen oder wegen ihrer Wärmeisolation an Hitzschlag sterben. Der gesamte Körperbau und alle Körperfunktionen der Wale sind auf das Leben im Wasser eingestellt. Dennoch teilen sie wesentliche Merkmale mit allen anderen Säugetieren:

Wale haben Lungen statt Kiemen und müssen Luft atmen. Da ihr Atemsystem hervorragend an das Leben im Wasser angepasst ist, können sie aber lange Zeiten untergetaucht bleiben. Die Sauerstoffaufnahme aus der Atemluft ist bei der Lungenatmung bedeutend ökonomischer als die Entnahme von Sauerstoff durch Kiemen aus dem Wasser. Einige Walarten können mit einem Atemvorgang bis zu zwei Stunden tauchen.
Wale besitzen ein sehr leistungsfähiges Herz, welches im Gegensatz zum Fischherz in mehrere Herzkammern getrennt ist. Dadurch wird der im Blut aufgenommene Sauerstoff sehr viel effektiver im Körper verteilt.
Wale sind gleichwarm und nicht wechselwarm wie Fische.
Alle Wale gebären lebende Kälber und säugen sie mit extrem fettreicher Muttermilch aus speziellen Milchdrüsen. Die Embryonalentwicklung findet im Körper der Mutter statt, und während dieser Zeit wird der Embryo durch ein spezielles Nährgewebe, die Plazenta, ernährt.
Zu den Walen gehören die größten Tiere, die jemals auf der Erde gelebt haben. Der Blauwal (Balaenoptera musculus) ist unter allen heute lebenden Tierarten und ihren fossilen Verwandten mit einer Körperlänge von bis zu 33 Metern und einem Gewicht von 190 Tonnen das größte Tier, der Pottwal (Physeter catodon) das wohl größte fleischfressende Wesen in der Geschichte der Erde. Die kleinsten Walarten erreichen dagegen nur eine maximale Körperlänge von 1,20 Metern, so etwa der La-Plata-Delfin (Pontoporia blainvillei).

Äußere Anatomie

Schwanzflosse eines BuckelwalsDer Körperumriss der Wale ähnelt dem von großen Fischen, was sich auf die Lebensweise und die besonderen Bedingungen des Lebensraums zurückführen lässt (Konvergenz). So besitzen sie eine stromlinienförmige Gestalt, und ihre Vorderextremitäten sind zu Flossen umgestaltet (Flipper). Auf dem Rücken tragen sie eine weitere Flosse, die als Finne bezeichnet wird und je nach Art verschiedene Formen annimmt. Bei wenigen Arten fehlt sie völlig. Sowohl die Flipper als auch die Finne dienen ausschließlich der Stabilisierung der Wale im Wasser und der Steuerung. Der Schwanz endet in einer großen Schwanzflosse, die Fluke heißt und wie die Finne eine knorpelige Fläche ohne Knochenteile darstellt. Die Fluke setzt waagerecht statt senkrecht am Körper an, ein von außen sehr gut erkennbares Unterscheidungsmerkmal zu den Fischen. Sie ermöglicht durch vertikales Schlagen die Fortbewegung.

Die Hinterbeine fehlen den Walen vollständig, ebenso alle weiteren Körperanhänge, welche die Stromlinienform behindern könnten, wie die Ohren und auch die Haare. Die männlichen Genitalien und die Brustdrüsen der Weibchen sind in den Körper versenkt.

Alle Wale haben einen langgestreckten Kopf, der besonders bei den Bartenwalen durch die weit ausladenden Kiefer extreme Ausmaße annimmt. Die Nasenlöcher der Wale bilden das Blasloch, eines bei Zahnwalen, zwei bei Bartenwalen. Sie liegen auf der Oberseite des Kopfes, so dass der Körper beim Atmen untergetaucht bleiben kann. Beim Ausatmen kondensiert meist die Feuchtigkeit der Atemluft und bildet den so genannten Blas. Bei den Zahnwalen existiert eine bindegewebige Melone als bindegewebige Kopfwölbung. Diese ist von Luftsäcken und Fett erfüllt und hilft beim Auftrieb sowie bei der Schallbildung. Eine besonders ausgeprägte Melone haben die Pottwale, hier wird sie als Spermacetiorgan bezeichnet und enthält das namensgebende Spermaceti bzw. Walrat. Die Kiefer enthalten bei den Zahnwalen eine unterschiedliche Anzahl von Zähnen von zwei flachen Hauer bei den Zweizahnwalen über eine große Anzahl gleichförmiger, homodonter, Zähne bei den Delphinen. Auch der lange Stoßzahn des Narwals ist ein umgebildeter Zahn. Bei den Bartenwalen sitzen an Stelle der Zähne lange hornige Filterplatten, die Barten, in den Kiefern.

Der Körper ist von einer dicken Speckschicht eingehüllt. Dieser Blubber dient zur Wärmeisolation und verleiht den Walen eine glatte Körperoberfläche. Bei den großen Arten kann er bis zu einem halben Meter Dicke erreichen. Der sehr spezielle Aufbau der Haut oberhalb der Speckschicht sorgt für ein Phänomen, welches als Graysches Paradoxon bekannt ist. Der Körper vor allem der schnelleren Schwimmer, etwa der Delfine, verfügt in der Realität über weit bessere Strömungseigenschaften, als dies bei einem technischen Körper mit der gleichen Form der Fall ist. Dies wird auf die Dämpfungseigenschaften der Haut zurückgeführt, die störende Wirbelbildungen abmildern. Zu diesem Zweck besitzt die Lederhaut (Corium oder Dermis) lange Papillen, die einen Saum bilden und mit der darüber liegenden Epidermis verzahnt sind. Die Papillen der Lederhaut sitzen dabei auf Lamellen, die weitgehend quer zur Körperlängsachse und damit auch zur Strömungsrichtung gestellt sind. Aufgrund ihrer Länge hielt man die Papillen erst für Ausführgänge von Schweißdrüsen. Heute kennt man allerdings ihre reale Funktion und weiß auch, dass Wale keine Hautdrüsen mit Ausnahme der Milchdrüsen besitzen. Neben diesen Dämpfungsstrukturen verfügt die Haut über ein mikroskopisch feines Reliefmuster. Aufgrund der Ergebnisse physiologischer Experimente wird auch eine aktive Reaktion der Haut angenommen. Die Optimierung der Strömungseigenschaften konnte bei den Versuchen mit künstlicher Walhaut nachgestellt werden.


Skelett


Skelett eines BlauwalsDas Walskelett kommt weitestgehend ohne kompakte Knochen aus, da es vom Wasser stabilisiert wird. Aus diesem Grunde sind die bei den Landsäugetieren üblichen Kompaktknochen durch feinmaschige Spongiosaknochen ersetzt. Diese sind leichter und elastischer. An vielen Stellen sind außerdem Knochenelemente durch Knorpel und sogar Fettgewebe ersetzt, dadurch werden die hydrostatischen Eigenschaften des Walkörpers weiter verbessert. Im Ohr und an der Schnauze findet sich eine nur bei Walen zu findende Knochenform mit extrem hoher Dichte, die an Porzellan erinnert. Diese hat besondere akustische Eigenschaften und leitet den Schall besser als andere Knochen.

Der Schädel aller Wale ist charakteristisch verlängert, was gut bei dem hier dargestellten Bartenwal ersichtlich ist. Dabei bilden die Kiefer- und die Nasenbeinknochen ein vorspringendes Rostrum. Die Nasenöffnungen liegen am Scheitelpunkt des Kopfes oberhalb der Augen. Der hintere Teil des Schädels mit dem Hirnschädel ist deutlich verkürzt und verformt. Durch die Verlagerung der Nasenlöcher auf die Kopfoberseite verlaufen die Nasengänge senkrecht durch den Schädel. Bei den Zahnwalen reicht der Kehlkopf schnabelartig in diesen Gang hinein, bei den Bartenwalen weicht selbiger den Gang seitlich aus. Die Zähne bzw. die Barten sitzen im Oberkiefer ausschließlich am Maxillarknochen. Der Hirnschädel wird durch den Nasengang nach vorn eingeengt und ist entsprechend höher ausgebildet, wobei sich einzelne Schädelknochen übereinanderschieben (Teleskoping). Die knöcherne Ohrkapsel, das Petrosum, ist mit dem Schädel nur knorpelig verbunden, damit sie unabhängig von selbigem schwingen kann. Aus diesem Grunde stellen isolierte Ohrkapseln häufige Walfossilien dar, die als Cetolithen bezeichnet werden. Bei vielen Zahnwalen ist der Schädel aufgrund der Ausbildung einer großen Melone und mehrerer Luftsäcke zudem asymmetrisch ausgebildet.


Skelett eines BartenwalsDie Anzahl der Wirbel der Wirbelsäule beträgt abhängig von der Art zwischen 40 und 93 Einzelwirbel. Die Halswirbelsäule besteht wie bei allen Säugetieren aus sieben Wirbeln, die bei den meisten Walen jedoch stark verkürzt oder miteinander verschmolzen sind, was Stabilität beim Schwimmen auf Kosten der Beweglichkeit verschafft. Die Rippen werden von neun bis 17 Brustwirbeln getragen. Das Brustbein ist nur knorpelig und stark zurückgebildet. Die letzten zwei bis drei Rippenpaare sind nicht an der Wirbelsäule befestigt und liegen als Fleischrippen frei in der Körperwand. Bei den Bartenwalen sind es alle bis auf das erste Paar, die frei liegen. Daran schließt sich der stabile Lenden- und Schwanzteil der Wirbelsäule an, dem alle weiteren Wirbel angehören. Unterhalb der Schwanzwirbel haben sich die Chevron-Knochen aus den Hämalbögen der Wirbel entwickelt, die zusätzliche Ansatzstellen für die Schwanzmuskulatur bieten.

Die vorderen Gliedmaßen sind paddelförmig mit verkürzten Arm- und verlängerten Fingerknochen, um die Fortbewegung zu unterstützen, und durch Knorpel verwachsen. Am zweiten und dritten Finger kommt es zudem zu einer Vermehrung der Fingerglieder, einer so genannten Hyperphalangie. Das einzige funktionelle Gelenk ist das Schultergelenk, alle anderen sind (außer beim Amazonasdelfin (Inia geoffrensis)) unbeweglich. Ein Schlüsselbein fehlt vollständig. Da eine Fortbewegung des Wals auf dem Land nicht mehr erforderlich ist und bei den großen Arten aufgrund des Körpergewichtes auch nicht mehr möglich wäre, sind die Hintergliedmaßen stark verkümmert und nur noch als Skelettrudimente ohne Verbindung zur Wirbelsäule vorhanden.


Innere Anatomie und Physiologie
Besonders wichtig für die Lebensweise der Wale im Wasser ist der Aufbau des Atmungs- sowie des Kreislaufsystems. Der Sauerstoffhaushalt der Wale ist entsprechend hocheffektiv. Bei jedem Atemzug kann ein Wal bis zu 90 Prozent des gesamten Luftvolumens der Lunge austauschen, bei einem Landsäugetier liegt dieser Wert etwa bei 15 Prozent. In der Lunge wird der eingeatmeten Luft durch das Lungengewebe etwa doppelt soviel Sauerstoff entzogen wie bei einem Landsäuger. Die Lunge selbst beinhaltet in den Alveolen ein doppeltes Kapillarnetz, der Sauerstoff wird außer im Blut und der Lunge in verschiedenen Geweben der Wale gespeichert, vor allem in der Muskulatur, in welcher der Muskelfarbstoff Myoglobin für eine effektive Bindung sorgt. Diese lungenexterne Sauerstoffspeicherung ist beim Tieftauchen überlebenswichtig, da ab einer Tauchtiefe von ca. 100 m durch den Wasserdruck die Lungen der Wale kollabieren. Beim Tauchvorgang wird der Sauerstoffverbrauch durch Absenkung der Herztätigkeit und der Blutzirkulation massiv gesenkt, einzelne Organe werden während dieser Zeit nicht mit Sauerstoff versorgt. Manche Furchenwale können dadurch bis zu 40 Minuten tauchen, Pottwale zwischen 60 und 90 Minuten und Entenwale sogar zwei Stunden. Die Tauchtiefen liegen dabei im Durchschnitt bei etwa 100 Meter, Pottwale tauchen bis zu 3.000 Meter tief.

Der Magen der Wale besteht aus drei Kammern. Der erste Bereich wird von einem drüsenlosen und sehr muskulösen Vormagen gebildet (der bei den Schnabelwalen fehlt), danach folgen der Hauptmagen und der Pylorusmagen, die beide mit Drüsen zur Verdauung ausgestattet sind. An die Mägen schließt sich ein Darm an, dessen Einzelabschnitte nur histologisch unterschieden werden können. Die Leber ist sehr groß und besitzt keine Gallenblase.

Die Nieren sind stark abgeflacht und sehr lang. Sie sind in mehrere tausend Einzelläppchen (Reniculi) aufgeteilt, um effektiv arbeiten zu können. Die Salzkonzentration in Blut der Wale ist niedriger als die im Meerwasser; die Nieren dienen daher auch zur Salzabscheidung. Das ermöglicht den Walen, Meerwasser zu trinken.

Karyotyp

Der ursprüngliche Karyotyp der Wale beinhaltet einen Chromosomensatz von 2n = 44. Sie besitzen vier Paaren telozentrischer Chromosomen (Chromosomen, deren Centromer an einem der Telomere sitzt), zwei bis vier Paaren subtelozentrischer und einem bis zwei großen Paaren submetazentrischer Chromosomen. Die übrigen Chromosomen sind metazentrisch, haben also das Centromer etwa in der Mitte, und eher klein. Innerhalb der Wale kam es mehrfach konvergent zu einer Reduktion der Chromosomenzahl auf 42 Paare, dies ist bei den Pottwalen (Physiteridae), den Schnabelwalen (Ziphiidae) und den Glattwalen (Balaenidae) zu finden.

Verbreitung und Lebensraum

Orca in der ArktisWale sind vor allem Meerestiere und in allen Meeren der Welt anzutreffen. Einige Arten schwimmen dabei auch in die Flussdelta und sogar bis in die Flüsse hinein. Nur wenige Arten leben dagegen ausschließlich im Süßwasser, dabei handelt es sich um vier als Flussdelfine zusammengefassten Arten. Während viele marine Arten der Wale wie etwa der Blauwal, der Buckelwal und auch der Große Schwertwal ein Verbreitungsgebiet haben, dass fast alle Meere umfasst, gibt es auch einzelne Arten, die nur lokal vorkommen. Dazu gehören etwa der Kalifornische Schweinswal in einem kleinen Teil des Golfs von Kalifornien sowie der Hector-Delfin in einzelnen Küstengewässern bei Neuseeland. In den Meeren gibt es sowohl Arten, die die tieferen Meeresgebiete bevorzugen als auch Arten, die häufig oder ausschlißlich in Küstennähe und Flachwasserbereichen leben.

Die Aufteilung der Lebensräume ergibt sich im Normalfall entlang bestimmter Temperaturgrenzen in den Ozeanen, entsprechend liegen die Verbreitungsgebiete der meisten Arten entlang spezifischer Breitengrade. Viele Arten leben entsprechend nur in tropischen oder subtropischen Gewässern, etwa der Brydewal oder der Rundkopfdelfin, andere findet man nur im Bereich des südlichen (etwa den Südlichen Glattdelfin oder den Stundenglasdelfin) oder nördlichen Polarmeeres (den Narwal und den Weißwal. Diese vertikale Ausbreitung wird vor allem durch Landmassen als natürliche Barrieren unterbrochen. So existieren von vielen kosmopolitischen Arten einzelne Populationen im pazifischen, im atlantischen und im indischen Ozean, außerdem kommen einige Arten grundsätzlich nur in einem dieser drei getrennten Ozeane vor. So findet man etwa den Sowerby-Zweizahnwal und den Clymene-Delfin nur im Pazifik, den Weißstreifendelfin und den Nördlichen Glattdelfin nur im Atlantik. Bei wandernden Arten, deren Fortpflanzungsgründe häufig in tropischen und deren Nahrungsgründe in polaren Regionen liegen, kommt es zudem sowohl im Atlantik als auch im Pazifik zur Ausbildung von südlichen und nördlichen Populationen, die durch die Wanderungen genetisch voneinander getrennt werden. Bei einigen Arten führt diese Separierung der Populationen schlussendlich zur Bildung neuer Arten, so etwa beim Südkaper und den beiden Nordkaperarten im Atlantik und Pazifik.

In europäischen Gewässern konnten insgesamt 32 Walarten nachgewiesen werden, darunter 25 Zahnwale und sieben Bartenwale.

[Bearbeiten]
Lebensweise
Die meisten Wale sind äußerst gesellige Tiere mit einem hoch entwickelten Sozialverhalten, nur wenige Arten leben paarweise oder als Einzelgänger.

Die Walgruppen, als Schulen bezeichnet, bestehen dabei meistens aus 10 bis 50 Tieren, zu bestimmten Gelegenheiten (bei Massenauftreten von Nahrung oder zur Paarungszeit) können die Gruppen jedoch auch weit über 1.000 Tiere umfassen. Auch Vergesellschaftung mit anderen Walarten ist dabei möglich.

Die einzelnen Schulen haben eine feste Hierarchie, wobei die vorrangigen Stellungen durch Beißen, Schieben oder Rammen bestimmt werden. Das Verhalten in der Gruppe ist nur in äußersten Stresssituationen wie Nahrungsmangel und in Gefangenschaft von Aggressivität bestimmt, im Normalfall kommt es zu primär friedlichen Kontaktaufnahmen. Dabei spielen Kontaktschwimmen, gegenseitiges Streicheln und Stupsen eine große Rolle. Ebenfalls bekannt sind die spielerischen Verhaltensweisen der Tiere, die sich in Luftsprüngen, Saltos, Wellenreiten oder Flossenschlagen äußern und auch bei ausgewachsenen Tieren vorkommen.

Zur Kommunikation untereinander geben die männlichen Tiere gesangsähnliche Geräusche ab, die über hunderte Kilometer weit im Wasser zu hören sind. Neuere Forschungen haben ergeben, dass wohl jede Walpopulation ihren eigenen typischen Gesang entwickelt. Manchmal lässt sich sogar ein einzelner Wal an seinem spezifischen, unverwechselbaren Gesang identifizieren.

Auch die Jagd erfolgt bei den Walen in der Gruppe, wobei sich die Tiere häufig mit anderen Tierarten zusammentun. So findet man viele Delfinarten gemeinsam mit großen Thunfischen auf Jagdzügen, die großen Fischschwärmen folgen. Der Große Schwertwal (Orcinus orca) jagt in Schulen auch andere, sogar größere Wale. Buckelwale (Megaptera novaeanglia) bilden in Gemeinschaftsarbeit Blasenteppiche, mit denen sie Kleinfisch- und Krillschwärme eingrenzen und in denen sie dann mit geöffnetem Maul auftauchen.


Fortpflanzung und Entwicklung
Bei den meisten Walarten konnte man einen jahreszeitlichen Fortpflanzungszyklus feststellen, bei dem der Eisprung der Weibchen sowie die Hauptaktivität der Hoden bei den Männchen zeitgleich liegen. Dieser Zyklus ist meistens mit saisonalen Wanderungen gekoppelt, die bei vielen Arten zu beobachten sind. Zur Paarung gehen die meisten Zahnwale keine festen Bindungen ein, bei vielen Arten haben auch die Weibchen mehrere Partner während einer Saison. Die Bartenwale gelten dagegen als weitgehend monogam innerhalb der einzelnen Fortpflanzungsperioden, dauerhafte Bindungen gehen sie jedoch ebenfalls nicht ein.

Die Tragezeit der Wale dauert zwischen neun und 16 Monate, wobei die Dauer nicht zwingend abhängig von der Größe ist. Schweinswale tragen ebenso wie die riesigen Blauwale etwa 11 Monate. Wale bringen in der Regel immer nur ein Junges zur Welt, bei Zwillingsgeburten stirbt ein Jungtier meistens, da die Mutter nicht genügend Milch für beide Jungtiere aufbringen kann. Die Geburt erfolgt bei den Zahnwalen meistens mit dem Schwanz voran, so dass die Gefahr des Ertrinkens für das Neugeborene minimal ist, bei den Bartenwalen mit dem Kopf voran. Nach dem Geburtsvorgang wird das Jungtier schnell zum ersten Atemzug zur Oberfläche transportiert, wobei bei vielen Arten mehrere Artgenossen als „Hebammen“ tätig werden. Die Jungtiere erreichen bei der Geburt etwa ein Drittel der Körpergröße der Erwachsenen und sind sehr schnell eigenständig aktiv, vergleichbar mit den Nestflüchtern bzw. Laufjungen der landlebenden Säuger. Beim Säugen spritzt die Walmutter die fettreiche Milch aktiv durch die Muskulatur der Milchdrüsen in das Maul des Jungen, da diese keine Lippen haben, mit denen sie saugen könnten. Diese Milch hat in der Regel einen sehr hohen Fettanteil von 16 bis 46 Prozent, wodurch die Jungtiere sehr rasch an Größe und Gewicht zunehmen.

Die Säugezeit ist meistens lang, sie beträgt bei vielen Kleinwalen etwa vier Monate und bei großen Arten häufig über ein Jahr, was mit einer engen Bindung der Mutter an ihre Nachkommen einhergeht. Für die Aufzucht der Jungtiere sind bei allen Walen allein die Muttertiere zuständig, bei einigen Walarten gibt es jedoch so genannte „Tanten“, die die Jungtiere ebenfalls gelegentlich säugen. Die meisten Wale werden spät geschlechtsreif, typischerweise mit sieben bis zehn Jahren. Diese Fortpflanzungsstrategie erbringt wenige Nachkommen, die dafür eine hohe Überlebensrate haben. Auch hier gibt es sowohl schnellere Arten wie den La-Plata-Delfin, der bereits nach zwei Jahren geschlechtsreif ist, jedoch nur etwa 20 Jahre alt wird. Der Pottwal erreicht die Geschlechtsreife dagegen erst mit etwa 20 Jahren, kann dafür aber zwischen 50 und 100 Jahre alt werden.


Räuber
Neben dem Menschen haben die meisten Walarten aufgrund ihrer Größe nur sehr wenige Fressfeinde. Besonders nennenswert sind an dieser Stelle nur größere Haie, die gelegentlich kleinere Walarten angreifen und töten, sowie andere, meist größere, Zahnwale. Beinahe berüchtigt ist in diesem Zusammenhang der Große Schwertwal, der neben Robben, Pinguinen und anderen Meerestieren auch fast alle anderen Kleinwale attackiert. In Schulen greift er sogar größere Bartenwale an, meist um die bei ihnen schwimmenden Jungtiere zu erbeuten.





Nach dem Tode
Es ist bekannt, dass die Kadaver der Wale, in der Tiefsee große, abgeschlossene Ökosysteme bilden. So sind trotz der schlechten Erforschbarkeit dieser Region bereits 29 Arten bekannt, die sich ausschließlich von Walkadavern ernähren. Bekannte Vertreter sind dabei die beiden zu den Ringelwürmer gehörenden Osedax-Arten Osedax frankpressi und Osedax rubiplumus, deren Entdeckung am 30. Juli 2005 in der Zeitschrift Science publiziert wurde.


Evolution der Wale
Allgemeine Betrachtung
Erdgeschichtlich haben sich die Wale zur Zeit des mittleren Eozäns vor etwa 50 Millionen Jahren aus Verwandten der Huftiere entwickelt, die vor allem aus Pakistan fossil erhalten sind. Heute gelten Flusspferde als nächste lebende Verwandte der Wale, eine Auffassung, die sowohl durch molekularbiologische und immunologische Merkmale als auch durch das bei den frühen Walen vorhandene Rollbein (Astralagus) im Fußskelett bestätigt wird.

Anhand des Fossilberichts lässt sich die graduelle Wandlung vom Land- zum Meerlebewesen verfolgen. So verschwanden die Hinterbeine, um eine flexibelere Wirbelsäule zu ermöglichen, mit der ein Schwanzschlagen zur Fortbewegung möglich wurde. Die Vorderbeine verwandelten sich langsam in Flossen und verloren dabei ihre ursprüngliche Beweglichkeit. Das Ohr der heutigen Wale ist nicht mehr nach außen offen, die Nasenlöcher wanderten von der Kopfspitze nahe der Mundöffnung nach oben, so dass der Wal 'im Vorüberschwimmen' durch das dorsale Blasloch atmen kann. Die Zähne, bei den landbewohnenden Vorfahren der Wale in Schneide-, Eck-, Backenzähne differenziert, glichen sich einander an. Bei den Bartenwalen entwickelten sich die Barten, sie sind also eine relativ späte Entwicklung als Anpassung an die spezielle Ernährungsweise dieser Tiere.


Vom Land ins Meer
Das älteste als direkter Walvorläufer identifizierte Fossil ist Pakicetus, ein vor 50 Millionen Jahren an Gewässern lebendes Tier, das noch vier deutlich ausgeprägte und funktionsfähige Beine besaß. Seine Überreste wurde 1977 von dem Paläontologen Philipp Gingerich entdeckt, der in Pakistan auf der Suche nach Landsäugern war. Er fand aber ausschließlich die Überreste von Tieren des Tethysmeeres sowie zwei ihm unbekannte Beckenknochen. 1979 fand er in Nordpakistan Teile eines Schädels mit der für Wale typischen Gehörregion. Weitere Teile des Schädels und auch Zähne wurden später von einem anderen Team gefunden.

Als wichtigste Übergangsform vom Land- zum Meerleben gilt der 49 Millionen Jahre alte Ambulocetus natans, der bis zu vier Meter lang wurde. Auch diese Art wies noch vier zur Fortbewegung an Land geeignete und kräftige Beine auf. Sie lebte in den Mangrovenwäldern im Brackwasser und erinnerte in der Körperform entfernt an ein Krokodil. Die Beine waren kräftig ausgebildet, die Schnauze langgestreckt mit weit oben liegenden Nasenlöchern und Augen. Der Schwanz der Tiere war sehr kräftig und diente zur Fortbewegung. Ambulocetus ernährte sich als Beutegreifer von Fischen und anderen Wirbeltieren des Wassers und des Uferbereiches. Erst 1992 wurde er von Hans Thewissen entdeckt, einem Schüler Gingerichs, ebenfalls in Nordpakistan.


Schädel von RodhocetusAus der Zeit vor etwa 45 Millionen Jahren fanden sich eine Reihe von weiteren Arten wie Indocetus, Kutchicetus, Rodhocetus und Andrewsiphius, die deutlich an das Leben im Wasser angepasst sind. Die Hinterbeine dieser Arten waren bereits stark zurückgebildet, und die Körperform erinnert an die der Robben. Rodhocetus, ein Vertreter der Protocetidae, wird als der erste „hochseetüchtige“ Wal angesehen. Er war stromlinienförmig gebaut und besaß feingliedrige und verlängerte Hand- und Fußknochen, zwischen denen wahrscheinlich eine Schwimmhaut gespannt war. Die bei Landsäugern im Bereich des Beckens verschmolzene Lendenwirbelsäule bestand bei ihm aus losen Einzelknochen, die eine Unterstützung der Schwimmbewegung des Rumpfes und Schwanzes ermöglichten. Auf diese Weise war er ein guter Schwimmer, konnte sich an Land dagegen wahrscheinlich nur relativ schwerfällig bewegen.

Bewohner der Ozeane
Seit etwa 40 Millionen Jahren bevölkerten Walarten das Meer, die keine Verbindung zum Land mehr besaßen, wie beispielsweise der bis zu 18 Meter lange Basilosaurus. Der Übergang vom Land zum Wasser war also innerhalb von etwa 10 Millionen Jahren abgeschlossen. Gingerich hatte seine Forschungen und Grabungen aufgrund politischer Schwierigkeiten im Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan nach Ägypten verlagert, in ein Tal etwa 95 Kilometer südwestlich von Kairo. Im so genannten Zeuglodon-Tal wurden bereits in den 1920er Jahren des 20. Jahrhunderts Fossilien von frühen Walen gefunden, die der Gattung Zeuglodon zugeordnet wurden. Gingerich fand hier die Hinterbeine von Basilosaurus, der der Wissenschaft zwar bereits als Urwal bekannt war, von dem man jedoch annahm, dass er keine Hinterbeine mehr hatte.

Die eigentlichen Vorfahren der heutigen Wale findet man wahrscheinlich innerhalb der Durodontinae, deren bekanntester Vertreter Durodon zeitgleich mit seinem nahen Verwandten Basilosaurus lebte. Beide Gruppen hatten bereits das für die heutigen Wale typische Gehör entwickelt, das deutliche Anpassungen an ein Leben im Wasser zeigt wie die feste Bulla, die das Trommelfell der Landsäuger ersetzt, sowie schallleitende Elemente für das Richtungshören unter Wasser. Die Handgelenke dieser Tiere waren versteift und trugen wahrscheinlich bereits die für heutige Wale typischen Flipper. Die Hinterbeine waren ebenfalls noch vorhanden, jedoch deutlich verkleinert und mit einem verkümmerten Becken verbunden.

In der Folgezeit traten viele verschiedene Formen von Walen auf. Heute kennt man Fossilien von etwa 1.000 Arten, die in der Mehrzahl verschwunden sind aber deren Nachfolger heute alle Ozeane bevölkern.


Systematik

1. Grönlandwal, 2. Orca (Schwertwal), 3. Nordkaper (Glattwal), 4. Pottwal, 5. Narwal, 6. Blauwal, 7. Furchenwal, 8. Belugawal (Weißer Wal). Alle Wale sind im gleichen Maßstab gezeichnet.Die Ordnung Cetacea wird klassisch in zwei Unterordnungen aufgeteilt:

Bartenwale (Mysticeti) verdanken ihren Namen den Barten, kammartigen, an den Enden aufgefaserten Hornplatten, mit denen die Wale Kleintiere wie Plankton aus dem Meerwasser filtern, indem sie eine große Menge Meerwasser ins Maul nehmen und es durch die Barten auspressen. Beim Grönlandwal können die Barten über 4 Meter lang werden. Zu dieser Gruppe gehören die größten lebenden Tiere.
Zahnwale (Odontoceti), zu denen auch die Delfine zählen, haben eine Reihe kegelförmiger Zähne, in beiden Kiefern (beispielsweise Delfine) oder nur im Unterkiefer, beispielsweise beim Pottwal oder den Schnabelwalen. Zahnwale zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, ihre Umgebung mittels Echoortung wahrzunehmen.
Während es bis in die 1970er Jahre noch Meinungen gab, dass Zahn- und Bartenwale sich aufgrund der Unterschiede im Körperbau, derm Schädel und auch der Lebensweise unabhängig voneinander entwickelt hätten, geht man heute von einem gemeinsamen Vorfahren aus und hält die Wale für monophyletisch. Die Vorfahren der Wale, die Mesonychidae, sollen den heute lebenden Flusspferden ähnlich und mit ihnen verwandt gewesen sein. Für diese Annahme sprechen eine Reihe von gemeinsamen Merkmalen aller Wale (Apomorphien), vor allem der typische Aufbau der Ohrkapsel und auch des Gehirns, sowie die Fossilfunde, die eine Rückführung aller heute lebenden Wale auf eine gemeinsame Stammgruppe zulassen.

Laut einer nicht allgemein anerkannten Theorie sollen die Bartenwale innerhalb der Zahnwale als Schwestergruppe der Pottwale entspringen. Letztere stellten also keine monophyletische Gruppe dar.

Elf Walarten werden als Großwale bezeichnet. Dies ist jedoch keine systematische Kategorie, sondern eine zusammenfassende Bezeichnung für die Kolosse der verschiedenen Walfamilien.

Siehe auch: Systematik der Wale


Menschen und Wale

Bedrohung
Die Bedrohung der Wale geht bis auf wenige Ausnahmen direkt vom Menschen aus. Als natürliche Feinde der Wale existieren nur wenige große Haiarten sowie andere Wale wie der Große Schwertwal, der auch Kleinwale jagt. Die Bedrohungen durch den Menschen lassen sich unterteilen in die direkte Bejagung durch den Walfang sowie die indirekten Gefahren wie die Fischerei und die Umweltbelastung.


Walfang
Hauptartikel: Walfang

Im Mittelalter waren die Gründe für den Walfang die enormen Mengen Fleisch, der als Brennstoff verwertbare Waltran und die Kieferknochen, die man im Hausbau verwendete. Am Ende des Mittelalters fuhren bereits ganze Flotten aus, um die großen Wale, mehrheitlich Glattwale und Grönlandwale, zu jagen. Die holländische Flotte besaß besispielsweise im 16. und 17. Jahrhundert etwa 300 Walfangschiffe mit 18.000 Männern Besatzung.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden vor allem Bartenwale bejagt, um den Bedarf der Korsett- und Reifrockhersteller an Fischbein zu decken. Außerdem diente das Spermaceti der Pottwale als Schmiermittel für Maschinen und das Ambra als Grundstoff für die Pharmaindustrie und zur Parfumherstellung. Als in der zweiten Hälfte die Sprengharpune erfunden und eingesetzt wurde, kam es zu einem massiven Ansteigen der erlegten Wale. Große Schiffe wurden zu Mutterschiffen für die Walverarbeitung ausgebaut und von Fangflotten mit Dampfantrieb beliefert. Ungefähr in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten Wale eine sehr große Bedeutung als Rohstofflieferant für die Industrie. In dieser Zeit wurde intensiv gejagt, in den 1930er Jahren wurden jedes Jahr über 30.000 Wale getötet. Eine weitere Steigerung auf über 40.000 Tiere pro Jahr erfolgte bis in die 1960er Jahre, wodurch vor allem die Bestände der großen Bartenwalarten einbrachen.

Die meisten bejagten Walarten sind heute in ihrem Bestand bedroht. Bei einige Großwalarten wurden die Populationen bis an den Rand der Ausrottung ausgebeutet. Heute sind sie stark dezimiert, da ein Zuwachs nur langsam möglich ist. Vollständig ausgerottet wurden bereits der Atlantische Grauwal, der koreanische Grauwal und der Biskayawal, beim Nordkaper rechnet man heute noch mit etwa 300 bis 600 Tieren, der Blauwalbestand beträgt wahrscheinlich maximal 14.000 Tiere.

Die ersten Bestrebungen zum Schutz der Wale wurden 1931 beschlossen. Dabei wurden besonders bedrohte Arten wie etwa der Buckelwal, der damals noch etwa 100 Tiere zählte, unter internationalen Schutz gestellt, außerdem wurden erste Schutzzonen eingerichtet. 1946 wurde die Internationale Walfangkommission gegründet, die die Bestände der Wale kontrollieren und sicher sollte. Das Töten von Walen zu kommerziellen Zwecken wurde durch diese Organisation 1985 weltweit bis zum Jahr 2005 verboten. Allerdings werden auch heute noch vor allem von japanischen Fangflotten Wale gejagt, wobei die Erforschung der Tiere als Grund angegeben wird.


Fischerei
Auch die für den Walfang uninteressanten Kleinwale – vor allem einige Delfinarten – sind teilweise stark dezimiert. Sie fallen sehr häufig der Thunfischfischerei zum Opfer, weil sie sich oft in der Nähe von Thunfischschwärmen aufhalten. Dies ist auch den Fischern bekannt, weshalb sie oft nach Delfinen Ausschau halten, um Thunfische zu fangen. Delfine sind wesentlich leichter auszumachen als Thunfische, da sie regelmäßig an der Oberfläche Luft holen müssen. Die Fischer ziehen mit ihren Netzen hunderte Meter große Kreise um die Delfingruppen herum, in der Erwartung, dass sie auch einen Thunfischschwarm einschließen. Die Netze werden zusammengezogen, die Delfine verfangen sich unter Wasser und ertrinken. Beosnders für Flußdelfine stellt zudem die Leinenfischerei in größeren Flüssen eine Gefahr dar.

Eine weit größere Bedrohung als durch den Beifang erwächst Kleinwalen allerdings aus der gezielten Bejagung. Im südostasiatischen Raum werden sie in ärmeren Ländern als Fisch-Ersatz an die einheimische Bevölkerung verkauft, da die eigentlichen Speisefische der Region im Export höhere Einnahmen versprechen. Im Mittelmeer werden Kleinwale als Nahrungskonkurrenten verfolgt: Da der Stoffwechsel der Meeressäuger einen ungleich höheren Energiebedarf als bei Raubfischen zur Folge hat, werden sie gezielt vernichtet, um die Bestände der Speisefische nicht mit ihnen teilen zu müssen.


Umweltgefahren
Die zunehmende Meeresverschmutzung stellt auch für die Meeressäuger ein ernst zu nehmendes Problem dar. Schwermetalle und Reste vieler Pflanzen- und Insektengifte sind biologisch nicht abbaubar. Über die Meerespflanzen und Beutetiere gelangen sie dann in den Körper der Wale. In Folge werden die Tiere anfälliger gegenüber Krankheiten und bekommen weniger Junge.

Auch die Zerstörung der Ozonschicht wirkt sich auf die Wale aus, denn Plankton reagiert sehr empfindlich auf Strahlung und vermehrt sich weniger stark. Dadurch schrumpft das Nahrungsangebot für viele Meerestiere, besonders betroffen sind aber die Bartenwale. Auch das Nekton wird, neben der intensiven Befischung, durch die intensivere UV-Einstrahlung geschädigt und ist als Futterquelle quantitativ und qualitativ eingeschränkt.

Ähnliche Auswirkungen kann zumindest längerfristig eine Übersäuerung der Ozeane durch vermehrte Aufnahme von Kohlenstoffdioxid (CO2) darstellen, ein Effekt, der wegen seiner Rolle für die Klimaentwicklung sehr geschätzt wird, da er der belasteten Atmosphäre wieder Kohlenstoff abnimmt. die mit dem Wasser zur Kohlensäure reagiert. Das saure Wasser stört den Bau der Kalkskelette verschiedener Algen und Kleinstlebewesen. Von diesem Plankton sind dann wiederum Wale abhängig, da es für viele Arten die Hauptnahrungsquelle darstellt.

Vor allem das Militär und die Geologie bedienen sich starker Sonare und erzeugen zusammen mit Sprengungen und Schiffsverkehr in zunehmendem Maße Lärm in den Ozeanen. Meeressäuger, die Biosonare zur Orientierung und Kommunikation verwenden, werden dadurch nicht nur behindert, sondern regelmäßig auch zu panischem Auftauchen veranlasst. Dabei kommt es zum Ausperlen von im Blut gebundenen Gasen, woran das Tier dann verendet, da die Gefäße blockiert sind, sogenannte Dekompressions-Unfälle (beim Menschen als "schwerer Tauchunfall" bekannt).

Nach Marineübungen mit Sonareinsatz werden regelmäßig verendete Wale angespült, die Gasblasen in den Gefäßen haben. Der Schall reicht sehr weit und entfaltet seine verhängnisvolle Wirkung noch in über hundert Kilometern Umkreis. Abhängig von den eingesetzten Frequenzen sind unterschiedliche Arten stärker oder weniger betroffen. Es wird die Forderung erhoben, dass vor entsprechenden ausgedehnten Einsätzen von Sonartechnik zunächst, gegebenenfalls ebenfalls mit Sonar, ausgeschlossen werden muss, dass sich viele Meeressäuger in der Umgebung befinden.

Walross

Walross

Pazifisches Walross
Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Cynoidea)
Zwischentaxon: Robben (Pinnipedia)
Familie: Walrosse (Odobenidae)
Gattung: Odobenus
Art: Walross

Wissenschaftlicher Name
Odobenus rosmarus
(Linnaeus 1758)
Das Walross (Odobenus rosmarus) ist eine Robbe, die in den kalten Meeren der Nordhalbkugel vorkommt. Zwei Unterarten, das Atlantische (O. r. rosmarus) und das etwas größere Pazifische Walross (O. r. divergens), werden unterschieden. Das Walross gehört zur Ordnung der Raubtiere, und ist die einzige Art in der Familie der Walrosse (Odobenidae).

Der zoologische Name Odobenus ist aus dem griechischen odous (Zahn) und baino (gehen) abgeleitet und rührt von der Beobachtung her, dass Walrosse sich an Land mit ihren Stoßzähnen vorwärts ziehen. Er wurde 1762 von Mathurin-Jacques Brisson in seinem Werk Le regnum animale vergeben, während der ursprüngliche Artname Phoca rosmarus auf den schwedischen Naturalisten Carl von Linné zurückgeht, der Walrosse in seinem Werk Systema naturae noch zu den Echten Hundsrobben zählte.

Rosmarus ist vom schwedischen Wort für Walross abgeleitet. Divergens (wegdrehen) kommt aus dem lateinischen und bezieht sich auf die Stoßzähne.







Merkmale
Walrossbullen werden etwa dreieinhalb Meter lang, die Kühe hingegen drei Meter; das Gewicht eines Männchens kann 1200 Kilogramm übertreffen, Weibchen wiegen je nach Unterart zwischen 600 und 800 Kilogramm.

Der plumpe Körper der Walrosse wirkt aus der Entfernung kahl, ist aber in Wahrheit von einem etwa einen Zentimeter kurzen, stoppeligen Haarkleid bedeckt, das mit zunehmendem Alter dünner wird. Die Haut ist mit etwa vier Zentimetern extrem dick und faltig; darunter befindet sich eine fünf bis acht Zentimeter dicke Fettschicht. Sie schützt die Tiere vor Verletzungen durch scharfe Eiskanten oder spitze Steine. Bei erwachsenen Männchen ist sie an Nacken und Schultern nochmals verstärkt und dient hier wohl zusätzlich dem Schutz vor Verletzungen bei Rangkämpfen unter den Männchen. Bei der Geburt haben Walrosse eine kräftig rotbraune Farbe, im Alter werden sie immer blasser und sind schließlich gelblichbraun. An der Farbe eines Walrosses kann man daher sein Alter abschätzen. Brust- und Bauchregion sind in der Regel dunkler als die Rückengegend; die Flossen sind bei den Neugeborenen dunkelgrau, nehmen aber mit der Zeit eine bleichere Farbe an.

Stoßzähne und restliches Gebiss
Das auffälligste Merkmal des Walrosses sind die zu langen Stoßzähnen ausgebildeten oberen Eckzähne, die auch als Hauer bezeichnet werden. Sie sind bei beiden Geschlechtern vorhanden, bei den Männchen aber in der Regel länger, stämmiger, von eckigerem Querschnitt und auch geradliniger, während die Stoßzähne der Weibchen meist im Querschnitt rund sind und eine stärkere Krümmung aufweisen. Im Schnitt werden sie 50 Zentimeter lang; ausnahmsweise werden Rekordlängen von einem Meter beobachtet. Bei jungen Walrossen sind die Eckzähne noch nicht entwickelt, sie brechen erst im Alter von sechs bis acht Monaten durch und sind wegen der voluminösen, in Falten geworfenen Lippe meist erst nach anderthalb Jahren sichtbar. Der zunächst noch vorhandene Zahnschmelz nutzt sich bei den erwachsenen Tieren mit der Zeit ab und geht früher oder später ganz verloren. Bei älteren Tieren sind die Hauer oft vom langen Gebrauch stark abgestumpft und gelegentlich sogar gebrochen.

Die wichtigste Funktion der Stoßzähne neben zahlreichen anderen Funktionen, etwa zur Verteidigung gegen Fressfeinde, als Kopfstütze, zum Aufbrechen von Atemlöchern im Eis oder als Hilfsmittel beim Verlassen des Wassers, besteht darin, Geschlecht, Alter und sozialen Status ihrer Träger zu demonstrieren. Durch einfaches Vorzeigen ihrer imposanten Hauer sind dominante Tiere beiderlei Geschlechts zum Beispiel regelmäßig in der Lage, untergeordnete Individuen von günstigen Ruheplätzen zu verdrängen. Dadurch kommt es nur dann zum Kampf, wenn zwei Träger annähernd gleichlanger Hauer aufeinander treffen.

Während Jungtiere zunächst noch eine vollständige Bezahnung haben, fallen ihre unteren Schneidezähne aus, sobald die beiden Stoßzähne durchbrechen; die hinter den drei bis vier Vormahlzähnen gelegenen Backenzähne sind ohnehin verkümmert. Die Gesamtzahl der Zähne variiert zwischen 18 und 24 und kann durch die Zahnformel 1-2/0 1/1 3-4/3-4 0/0 ausgedrückt werden.

Kopf und Sinnesorgane
Das bezeichnendste Merkmal des grob quaderförmigen Schädels ist der große Warzenvorsprung (Processus mastoideus) jedes Schläfenbeins (Os temporale), an dem die kräftige Nackenmuskulatur ansetzt. Im Gegensatz zu den Ohrenrobben besitzen Walrosse an ihrem Stirnbein (Os frontale) keine Vorsprünge an den Augenhöhlen (Orbita) und weisen auch keinen Scheitelkamm auf. Das Rostrum, die Schnauze, ist stumpf; die Haut der Oberseite stark verhornt.

Charakteristisch ist der aus bis zu 450 Tasthaaren bestehende Borstenbart, der von der Oberlippe herabhängt. Dieser wird beim Leben in freier Wildbahn jedoch weitgehend abgenutzt und ist nur bei im Zoo gehaltenen Tieren so prominent.

Die Augen der Walrosse sind im Vergleich zur Schädelgröße sehr klein; äußerlich sichtbare Ohren besitzen sie, anders als die Ohrenrobben, nicht. Die Mittelohrknochen sind vergleichsweise dünn.


Flossen
Wie die wahrscheinlich verwandten Ohrenrobben haben Walrosse sehr bewegliche Flossen, mit denen sie nahezu jeden Punkt ihres Körpers erreichen können. Sie ermöglichen an Land eine größere Behendigkeit als beispielsweise die Gliedmaßen der Seehunde, auch wenn Walrosse nicht so geschickt sind wie Ohrenrobben. Die Flossen sind meist dreieckig geformt, wobei die obere Flossenseite leicht behaart ist, während die Unterseite keine Behaarung aufweist. Die je fünf Zehen laufen in knorpeligen Spitzen aus, auf denen sich etwas von den Zehenenden entfernt die eigentlichen Nägel befinden.


Innere Anatomie
Männchen besitzen zwei Luftsäcke im Rachen, die sie aufblasen können, um damit verschiedene Laute hervorzubringen. Diese besitzen wahrscheinlich eine zweite Funktion als Luftkissen, mit dem im Wasser das spezifische Gewicht herabgesetzt wird, so dass die Tiere ohne größeren Aufwand an der Oberfläche schwimmen können.

Über die gesamte Körperoberfläche sind arteriovenöse Anastomosen verteilt, Querverbindungen zwischen Arterien und Venen, die einen schnellen Wärmeaustausch ermöglichen. Walrosse ähneln darin den Hundsrobben.

Der Penisknochen des Bullen ist mit einer Länge von über 60 Zentimetern der längste im Tierreich, sowohl in absoluter Länge als auch in Relation zur Körpergröße; die Hoden liegen im Körperinneren. Die Weibchen besitzen zweimal vier Milchdrüsen.


Verbreitung und Lebensraum

VerbreitungsgebietMeistens leben Walrosse auf dem Treibeis der Arktis. Im Winter ziehen sie südwärts, um dem Packeis auszuweichen, verlassen aber die polaren Breiten in der Regel nicht. Es gibt vier voneinander getrennte Populationen:

Das Pazifische Walross hält sich im Winter im Beringmeer auf; im Sommer durchqueren die Populationen die Beringstraße in Richtung Norden und suchen den Packeisrand in der Tschuktschensee auf.
Die westlichen Populationen des Atlantischen Walrosses leben zwischen der Hudson Bay und der Westküste Grönlands.
Die östlichen Populationen des Atlantischen Walrosses leben an der Ostküste Grönlands sowie im Bereich zwischen Spitzbergen und der Nordwestküste Sibiriens. Seltener finden sich die Tiere weiter südwärts; aus historischer Zeit sind allerdings mehr als 20 Aufzeichnungen von Walross-Fängen vor den Küsten der britischen Inseln bekannt; auch vor den Niederlanden sowie an der französischen und spanischen Küste wurden schon Walrosse gesichtet.
An der Nordküste Sibiriens lebt eine weitere Population, die gelegentlich als eine dritte Unterart (Laptewsee-Walross, O. r. laptevi) eingestuft wird.
Die atlantischen Walrosse zeichnen sich durch kürzere Stoßzähne und einen etwas anders proportionierten Kopf mit breiterem Hinterhaupt und schmalerem Gesichtsschädel aus.

Fast immer bleiben die Tiere in flachen Küstengewässern, nahe an den Kontinentalabhängen oder an Packeisflächen. Obwohl sie sich meist nicht tiefer als etwa 80 Meter begeben, sind in Einzelfällen Tauchtiefen von bis zu 180 Metern nachgewiesen.


Fortbewegung
Im Wasser nutzen Walrosse ihre muskulösen Hinterflossen zum Vortrieb, während die Vorderflossen als Ruder eingesetzt werden. An Land bewegen sie sich oft mit allen vier Gliedmaßen voran. Das Gewicht ruht dabei auf den „Handflächen“ der Vorderflossen und den „Hacken“ der Hinterflossen. Sowohl „Finger“ als auch Zehen sind nach außen gerichtet; erstere zeigen nach hinten, letztere nach vorne. Manchmal werden aber auch nur die Vorderflossen eingesetzt, während die Hinterflossen wie bei den Hundsrobben nachgezogen werden.

Lebensweise
und
Ernährung


Walross-Familie, Gemälde 1927Walrosse ernähren sich im Wasser, sie können über 30 Minuten lang tauchen. Sie fangen gelegentlich Fische, leben aber vorwiegend von Muscheln, besonders der Gattungen Mya, Cardium und Clinocardium, von Schnecken, Krebstieren wie Garnelen oder Krabben, Tintenfischen, Seegurken, Manteltieren und Würmern wie Vielborstern (Polychaeta) oder Priapswürmern (Priapulida). Bei der Suche nach diesen Organismen des Meeresbodens setzen sie ihren hochempfindlichen Borstenbart ein, mit dem sie den Sand durchkämmen; durch gezielte Wasserstöße können tief im Sediment sitzende Beutetiere freigelegt werden. Die Stoßzähne kommen bei der Nahrungssuche nicht zum Einsatz.

Muscheln und Schnecken werden entweder zwischen den Vorderflossen oder durch festes Aufeinanderdrücken der Lippen geknackt. Aus Mageninhalten lässt sich schließen, dass ein Walross auf diese Weise mehr als 50 Kilogramm Nahrung zu sich nehmen kann.

Obwohl Kleintiere die Hauptnahrung ausmachen, überwältigt das Walross manchmal auch sehr große Beute. Vor allem andere Robben fallen gelegentlich einem Walross zum Opfer, aber auch Angriffe auf Seevögel wurden schon in seltenen Fällen beobachtet, dazu kommt frisches Aas. Jagd auf Robben machen fast ausschließlich männliche Tiere, die einzelgängerisch leben. In manchen Fällen kam es auch zu Kannibalismus, wobei ein altes Tier neugeborene Walrosse fraß.


Fressfeinde, Parasiten und Krankheitserreger
Feinde hat das Walross kaum zu fürchten. Der Eisbär versucht gelegentlich eine Herde in Flucht zu versetzen, um zurückbleibende Einzel- oder Jungtiere zu erbeuten, wird sich aber hüten, ein ausgewachsenes Tier anzugreifen, das sich mit Hilfe seiner Stoßzähne gut verteidigen kann. Gelegentlich werden Angriffe von Schwertwalen auf Walrosse gemeldet.

Die Haut der Walrosse ist ein vielfältiger Lebensraum für zahlreiche Arten blutsaugender Läuse (Anoplura); Kratz- (Acanthocephala) und Fadenwürmer (Nematoda) sind die am häufigsten auftretenden inneren Parasiten.

Gebrochene Stoßzähne und bakterielle Infektionen der Flossen oder Augen führen schnell zu Gewichtsverlust und Tod; häufig nachgewiesen ist besonders die Gattung Brucella. Die Auswirkungen viraler Infektionen durch Caliciviren und Morbilliviren sind noch weitgehend unerforscht.


Sozialverhalten und Fortpflanzung

Zwei Walrosse gehen an LandDie Hälfte ihres Lebens halten sich Walrosse an Küsten arktischer Inseln oder am Packeisrand auf, wo sie sich in großen Herden versammeln. Außerhalb der Paarungszeit sind diese Herden meist nach Geschlechtern getrennt; Ausnahmen von dieser Regel existieren in einigen nordkanadischen Populationen, in denen Männchen und Weibchen das ganze Jahr über zusammenbleiben.

Zur Kommunikation innerhalb der Gruppen steht Walrossen ein großes Repertoire zur Verfügung, das Grunz-, Brüll- und Kreischlaute umfasst. Oft liegen die Tiere dicht bei- oder sogar aufeinander und reiben ihre Körper aneinander oder kratzen sich, ein Verhalten, das vermutlich dazu dient, Parasiten zu entfernen. Es gibt eine feste Rangordnung, die sich nach der Größe der Stoßzähne und der Körpergröße richtet. Vor allem zwischen den Bullen kommt es auch außerhalb der Paarungszeit zu Auseinandersetzungen, deren Grund ein bevorzugter Ruheplatz an Land sein kann. Haben Drohgebärden keinen Erfolg, kommt es zu Kämpfen, bei denen die Stoßzähne eingesetzt werden und die mit blutigen Wunden enden können.

Die Sozialstruktur der Herden zur Paarungszeit und das Fortpflanzungssystem selbst unterscheidet sich etwas zwischen den Unterarten. Walrosse der pazifischen Unterart sammeln sich zu mittelgroßen Gruppen, die aus zahlreichen Weibchen mitsamt ihrem Nachwuchs und einigen begleitenden Bullen bestehen. Diese können sich, wo die Bejagung durch den Menschen noch keine gravierenden Folgen hatte, zeitweilig oder beständig zu noch größeren Herden vereinigen, die dann mehrere tausend Tiere umfassen. Küstenlinien von 100 Kilometern und mehr werden dann von den Kolonien eingenommen. Die Männchen verbringen den größten Teil der Zeit im Wasser und stehen in starker Konkurrenz zueinander. Anders als bei der atlantischen Unterart sind sie jedoch nicht in der Lage, individuelle Weibchen zu verteidigen oder einen Harem zu führen. Als Folge haben sich aufwendige Rituale der Partnerwerbung herausgebildet: Die Männchen erzeugen unter Wasser Folgen von Klicks und glockenähnlichen Lauten, die sie durch Aufblasen ihrer Luftsäcke hervorrufen, an der Oberfläche dagegen diverse Pfeiftöne; insbesondere die Glockenlaute werden nur während der Paarungszeit dargeboten. Man geht heute davon aus, dass diese reiche Lautpalette und ihre unaufhörliche Darbietung in der Funktion dem Vogelgesang entspricht, also die Aufmerksamkeit von Konkurrenten und möglichen Partnerinnen erringen soll. Eine wichtige Grundlage dieses Systems ist die von den Weibchen ausgehende Partnerwahl. Bullen, die noch nicht die Geschlechtsreife erreicht haben, sammeln sich meist außerhalb der Paarungsgebiete in separaten eingeschlechtlichen Gruppen.

Die stabileren Verhältnisse im Atlantik und die im allgemeinen kleineren Gruppen haben vermutlich dazugeführt, dass die dortige Unterart stattdessen ein Haremssystem hat. Auch wenn sich ähnliche Lautäußerungen registrieren lassen, spielen sie vermutlich bei der Partnerwahl nur eine untergeordnete Rolle: Anders als bei den pazifischen Walrossen sind die Männchen hier durch die Herausbildung stabiler Hierarchien in der Lage, größere Gruppen von Weibchen zu monopolisieren. So kommt in manchen Kolonien auf zwanzig Kühe ein kräftiger Bulle, während jüngere und schwächere Männchen im Konkurrenzkampf keine Chance haben und an Randplätze der Kolonie gedrängt werden. Zwischen etwa gleich starken Bullen kann es dagegen zu heftigen Kämpfen kommen.

Die Paarung findet zwischen Januar und Februar wahrscheinlich im Wasser statt. Nach der Befruchtung bleibt das Ei zuerst über vier bis fünf Monate dormant (entwickelt sich nicht weiter), bevor die elfmonatige eigentliche Tragzeit beginnt. Die Geburt findet in der Regel also im Mai des darauf folgenden Jahres statt, so dass sich ein zweijähriger Fortpflanzungsrhythmus ergibt, der sich bei älteren Kühen zunehmend verlängern kann. Jede trächtige Kuh bringt nur ein Kalb zur Welt; Zwillingsgeburten sind extrem selten. Die geringe Geburten- und Nachkommenzahl führt dazu, dass Walrosse eine selbst für Säugetiere extrem niedrige Fortpflanzungsrate haben und daher Populationsrückgänge nur über lange Zeiträume hinweg wieder ausgleichen können.

Die Kälber sind bei der Geburt knapp einen Meter lang, wiegen etwa 50 Kilogramm und können sofort schwimmen. Die ersten sechs Monate werden sie nur durch die Muttermilch ernährt, danach wird die Nahrung zunehmend durch andere Bestandteile ergänzt. Nach zwei Jahren werden die Jungtiere entwöhnt, bleiben aber noch ein bis drei weitere Jahre bei dem Muttertier. Weibchen werden mit vier bis zehn, durchschnittlich aber etwa sechs Jahren geschlechtsreif, Männchen erreichen die physiologische Geschlechtsreife mit neun bis zehn Jahren. Sie sind aber erst mit etwa fünfzehn Jahren in der Lage, sich im Konkurrenzkampf gegen Artgenossen durchzusetzen und tatsächlich Zugang zu Weibchen zu erhalten, ein Zustand, den man als soziale Geschlechtsreife bezeichnet.


Lebenserwartung

Ein Walross kann bis zu 40 Jahre alt werden.
[Bearbeiten]
Stammesgeschichte
Die Walrossfamilie ist fossil seit dem Miozän nachgewiesen und stammt vermutlich wie die Ohrenrobben aus dem nördlichen Pazifik. Im Miozän und im darauffolgenden Pliozän gab es noch mehrere Walross-Arten, die äußerlich noch sehr stark heutigen Seelöwen ähnelten. Im späten Miozän, vor etwa fünf bis zehn Millionen Jahren, waren sie anscheinend die dominante und zugleich vielfältigste Robbengruppe des Pazifik. Zu dieser Zeit fand auch bei einigen Arten eine Umstellung von mehrheitlich fischbasierter Nahrung auf ein von der Fauna des Meeresbodens (Benthos) dominiertes Beutespektrum statt, die auch mit morphologischen Änderungen einherging. Dazu zählte etwa die Umstellung des Vortriebs im Wasser auf die Hinterflossen und die Vergrößerung der Eckzähne.

Zur Besiedelung des Atlantik, die vor etwa fünf bis acht Millionen Jahren stattfand, gibt es zwei Hypothesen. Nach der einen fand sie entlang der nordamerikanischen oder sibirischen Küste des arktischen Ozeans statt, nach der zweiten wanderten die Vorfahren des modernen Walross vor der Entstehung der Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika in die Karibik ein und gelangten von dort nach Norden in die polaren Gewässer des Atlantik.

Ob die pazifischen Populationen zwischenzeitlich ausstarben und der Pazifik erst im Pleistozän vor etwa einer Million Jahren sekundär, von entlang der Küsten des arktischen Ozeans einwandernden atlantischen Populationen, wiederbesiedelt wurde oder ob die Vorfahren der pazifischen Unterart auf die ursprünglichen Bewohner des Pazifiks zurückgehen, ist gegenwärtig noch unklar.

Sicher ist, dass die Walrosskolonien im Pleistozän wegen der günstigen eiszeitlichen Bedingungen sehr viel weiter südlich lebten als heute und selbst an den Küsten Mitteleuropas und Kaliforniens zu finden waren.


Menschen und Walrosse

Vor allem für die Inuit hatte das Walross seit jeher eine große religiöse Bedeutung. Daneben spielte es auch eine wichtige Rolle für den Alltagsbedarf: Es lieferte Fleisch und Tran, und die Stoßzähne waren wie die übrigen Knochen in den völlig baumlosen Gegenden wertvolles Baumaterial; Walrossmägen mit Cardium-Muscheln gelten noch heute als Delikatesse. Die Jagd durch die Inuit konnte die Bestände aber nicht gefährden. Auch deshalb sind durch Quoten regulierte Subsistenzjagden noch heute in Kanada, Russland und Grönland gestattet.


Walross-KolonieMit dem Vordringen weißer Jäger in die arktischen Meere wurde die Situation für die Walrosskolonien fatal. Sie wurden nun intensiv bejagt, vor allem um des Elfenbeins ihrer Stoßzähne wegen, das qualitativ nur hinter dem der Elefanten zurücksteht. Entlang der Ostküste Nordamerikas kamen Walrosse bis nach Cape Cod und im Golf von St. Lorenz vor. Hier wurden im 16. und 17. Jahrhundert jedes Jahr mehrere tausend Walrosse getötet. Im 19. Jahrhundert gab es südlich von Labrador kein einziges Walross mehr. Auf der Suche nach noch nicht erloschenen Kolonien drangen die Jäger in immer entlegenere Regionen vor. Einen Eindruck von den Dimensionen des Gemetzels bekommt man anhand der Schätzung, dass allein zwischen 1925 und 1931 an den Küsten der kanadischen Arktisinsel Baffinland etwa 175.000 Walrosse getötet wurden. Das Atlantische Walross war dadurch zwischenzeitlich fast ausgestorben; aus nicht bekannten Gründen haben sich die Bestände nicht annähernd erholt, und mit etwa 15.000 atlantischen Walrossen gibt es heute nur einen winzigen Bruchteil der ursprünglichen Bestandsgröße.

Das Pazifische Walross wurde vergleichbar dezimiert, wenngleich die Jagd erst viel später begann. Hier aber konnten sich aufgrund von Schutzmaßnahmen seitens der USA und Russlands die Bestände wieder erholen, und ihre Zahl verzehnfachte sich, so dass es heute wieder 200.000 Pazifische Walrosse gibt. Insgesamt ist die Art daher nicht bedroht.

Hinsichtlich der Verschmutzung ihres Lebensraumes sind Walrosse in erster Linie von Ölunglücken betroffen, da sich hochmolekulare Kohlenwasserstoffe auf dem Grund des Meeres und damit in den Nahrungsgründen der Walrosse ansammeln und die Zahl ihrer Beutetiere reduzieren können. Aufgrund des geringen Fettgehalts ihrer Nahrung ist dagegen die Belastung durch organische Chlorverbindungen und auch Schwermetalle wie Quecksilber geringer als bei anderen Meeressäugern; robbenjagende Walrosse bilden allerdings eine Ausnahme. Regelmäßiger Lärm, wie er in der Nähe menschlicher Siedlungen etwa mit Flugplätzen verbunden ist, kann dazu führen, dass nahegelegene Paarungsplätze aufgegeben werden.

Wie sich die globale Erwärmung auswirken wird, ist noch ungewiss. Einerseits ist bekannt, dass Walrosse einst in wesentlich wärmeren Meeresgegenden lebten; andererseits zeigen Untersuchungen pazifischer Populationen, das ein Rückgang der Fortpflanzungsrate in engem Zusammenhang mit dem Verlust großer zusammenhängender Packeisflächen steht. Dazu kommt, dass die Auswirkungen steigender Meerestemperaturen auf die Beute der Walrosse unvorhersehbar sind.

Walrosse fliehen in der Regel vor Menschen. Dennoch kann es in einzelnen Fällen auch zu Angriffen kommen. Vor allem Boote wie Kajaks werden von aggressiven Bullen umgestoßen, die Insassen attackiert und zum Teil getötet. Der Naturforscher Lopez berichtet jedoch auch von einem Angriff auf einer Eisscholle:

„Ein Walroßbulle ist ein riesiges Tier, so groß wie ein Kleinwagen. Seine Geschicklichkeit und Geschwindigkeit im Wasser sind, aus der Nähe beobachtet, furchterregend. Normalerweise fressen Walrosse nur am Boden lebende Organismen wie Muscheln, Würmer und Krebse, aber es gibt eine ungewöhnliche Art von Walrossen: Es sind fast immer Männchen, Einzelgänger, die gezielt Robben jagen und töten ... Dieser seltsame Fleischfresser greift kleine Boote von einer Eisscholle aus an und versucht Menschen im Wasser zu verfolgen und zu töten. Ein Freund von mir stand einmal mit einem Eskimofreund an einer Eiskante, als der Mann ihn aufforderte zurückzutreten. Sie zogen sich sechs oder acht Meter zurück. Weniger als eine Minute später stieß ein Walroß in einem Wasserschwall durch die Oberfläche, genau da, wo sie gestanden hatten. Ein Eisbären-Trick.“

Zum Nahrungsspektrum des Walrosses gehört der Mensch allerdings nicht; solche Angriffe sind eher eine Abwehr zu nahe kommender Eindringlinge in ein Walross-Territorium.

Gelegentlich werden Walrosse in Zoos gehalten. Als Maskottchen des Norddeutschen Rundfunks erlangte etwa das Walross Antje Popularität.

Seehunde

Merkmale
Seehunde sind im Vergleich zu der anderen an deutschen Küsten verbreiteten Robbe, der Kegelrobbe, kleine und schlanke Robben (Männchen etwa 170 cm, Weibchen 140 cm, Gewicht 150 beziehungsweise 100 kg). Von der Kegelrobbe sind sie auch durch ihren rundlichen Kopf unterschieden. Die Färbung ist regional sehr variabel; in deutschen Küstengewässern sind Seehunde dunkelgrau gefärbt und haben unregelmäßig über den Körper verteilte schwarze Flecken.

Verbreitung und Lebensraum

VerbreitungsgebietDer Seehund kommt auf der Nordhalbkugel im Atlantik und Pazifik vor. Er bevorzugt Küsten mit trockenfallenden Sandbänken, auf denen er vor Feinden sicher ist. Man findet ihn aber auch an geschützten Felsküsten.

Die weltweite Gesamtpopulation der Seehunde wird auf 500.000 Individuen geschätzt. Von diesen leben 90.000 an europäischen Küsten.

Während der Seehund an den Küsten der Nordsee allgegenwärtig ist, ist er in der Ostsee eine extreme Seltenheit; der Bestand in diesem Binnenmeer wird auf 250 Tiere geschätzt, womit Seehunde in der Ostsee noch seltener als Kegel- und Ringelrobben sind. Die Ostsee-Seehunde leben an den Küsten dänischer Inseln und des südlichen Schwedens. Umherwandernde junge Seehunde kommen manchmal auch an deutsche Ostseeküsten.


Lebensweise

Seehunde auf einer Sandbank in der NordseeSeehunde sind sehr gute Schwimmer, die bis zu 200 m tief und 30 Minuten lang tauchen können. Für gewöhnlich dauert ein Tauchgang aber nur drei Minuten. Ausgewachsene Seehunde fressen ausschließlich Fische, und zwar Heringe, Sardinen, Dorsche, Lachse, Stinte und Plattfische. Jüngere Seehunde ernähren sich zu einem Großteil auch von anderen Meerestieren wie Krebstieren und Mollusken. Im Wasser sind Seehunde einzelgängerisch, auf Sandbänken kommen sie oft zu kleinen Gruppe zusammen. Sie sind jedoch keine sozialen Tiere und reagieren aggressiv auf Berührung durch Artgenossen; vor allem Männchen fügen sich gelegentlich gegenseitig blutige Wunden zu.. Auf den Sandbänken findet man sie daher meistens gleichmäßig verteilt, mit eineinhalb Metern Mindestabstand zwischen zwei Tieren.

Die Paarung findet im Wasser statt. Mehrere Männchen sammeln sich dabei um ein Weibchen und versuchen, auf seinen Rücken zu gelangen. Das Weibchen wehrt sich zunächst mit Bissen und Fluchtversuchen gegen die Paarung. Letztlich siegt eines der Männchen, indem es mit einem Biss in den Nacken das Weibchen ruhigstellt. Nach etwa drei Minuten ist der Paarungsakt beendet und beide Partner schwimmen ihrer Wege. Seehundmännchen sind weder monogam noch bewachen sie nach Art mancher anderer Robben einen Harem.

Die Tragzeit beträgt anschließend 11 Monate und es wird nur ein Jungtier geboren. Bei der Geburt ist das Jungtier etwa 10 kg schwer und 85 cm lang. Es wird ungefähr fünf Wochen gesäugt und dann allein gelassen.

Seehunde können 30 bis 35 Jahre alt werden. Dabei haben Weibchen in der Regel eine höhere Lebenserwartung als Männchen, die sich bei den Aggressionen gegen Geschlechtsgenossen mehr verausgaben und daher selten älter als 25 Jahre alt werden.


Europäischer Seehund
Unterarten
Es werden geographisch fünf Unterarten unterschieden:

Europäischer Seehund (Phoca vitulina vitulina), europäische Küsten
Phoca vitulina concolor, Ostküste Nordamerikas vom Arktischen Ozean bis Maine
Phoca vitulina richardsi, Westküste Nordamerikas von Alaska bis Baja California
Phoca vitulina stejnegeri, Küsten HokkaidMs, der Kurilen und Kamtschatkas
Ungava-Seehund (Phoca vitulina mellonae), Seen im nördlichen Québec, Kanada (einziger im Süßwasser lebender Seehund)
Die Largha-Robbe wurde früher als Unterart des Seehundes, heute aber als selbständige Art eingestuft.


Mensch und Seehund

Seehundjagd in Vorzeit und Mittelalter
Von Bewohnern der Küsten wird der Seehund zum Nahrungserwerb und zum Fell- und Ölgewinn seit Jahrtausenden gejagt. Entlang des Unterrheins hat man zehn Steinplatten entdeckt, auf denen eiszeitliche Siedler die Umrisse von Robben eingraviert haben - wobei nicht immer deutlich ist, ob die dargestellten Tiere Seehunde oder die einstmals ebenso häufigen Kegelrobben sein sollen. Auch andere Robbenarten, die heute auf die Arktis beschränkt sind, lebten während der letzten Eiszeit an europäischen Küsten. Seehunde schwammen wohl immer wieder die Flüsse aufwärts und gelangten so selbst in die Netze von Binnenfischern. Auch heute noch schwimmen Seehunde gelegentlich Rhein, Weser und Elbe aufwärts, kommen aber nicht mehr so weit wie einst.

An dänischen Küsten fand man auf 7500 Jahre datierte Holzkeulen, die unter einer Torfschicht konserviert waren. Da man mit ähnlichen Keulen bis ins 19. Jahrhundert an den Nordseeküsten Robben schlug, geht man davon aus, dass schon die Jäger der Jungsteinzeit dieser Betätigung nachgingen. Des Weiteren hat man in Robbenknochen Pfeilspitzen gefunden. Allerdings stammen aus dieser Zeit nur wenige Überreste von Seehunden. Damals bewohnten Kegelrobben, Ringelrobben und Sattelrobben in großer Zahl Nord- und Ostsee, und erst um die Zeitenwende wurde der Seehund hier häufig. Aus dem 1. Jahrhundert findet man entlang der Wesermündung Seehundknochen, die in den Abfallgruben der Warftbewohner zusammen mit Haustierknochen lagerten. Ähnliche Funde stammen aus dem frühen Mittelalter von der Insel Föhr. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Seehundjagd zunehmend unüblich. Nach dem 11. Jahrhundert sind Seehundknochenfunde bei menschlichen Siedlungen die Ausnahme.


Ausrottungskampagnen des 19. und 20. Jahrhunderts
Erst seit dem späten 19. Jahrhundert wurde auf Seehunde wieder aus anderem Grund Jagd gemacht: Der Beginn des industriellen Fischfangs und die sich abzeichnende Überfischung der Meere verleitete Fischer zu der Überzeugung, dass der Seehund als Nahrungskonkurrent die Fischbestände plündere. Die Ausrottung des Seehundes wurde als erstrebenswertes Ziel gesehen. So beklagten sich 1902 die Fischer von Rügen in einer gemeinsamen Petition an den Regierungsbezirk Stralsund, dass sie ohne eine „Vertilgung der Seehunde“ ihrem „Ruin unzweifelhaft entgegengehen“ würden. Pro erlegtem Seehund wurden in Vorpommern 5 Mark gezahlt, und bald zogen andere Ostseestaaten nach und zahlten ebenfalls Prämien. Dabei wurden die Tiere geschossen, erschlagen und mit Netzen und Reusen gefangen; auch das Auslegen vergifteter Fischköder wurde in manchen Regionen als Methode angewandt. Zwischen 1886 und 1927 wurden in der Ostsee 353.329 Robben getötet und damit der Seehund wie auch die Kegelrobbe an den Rand der vollständigen Ausrottung gebracht.

Auch in der Nordsee wurde Seehunden von Prämienjägern nachgestellt. Die größere Weitläufigkeit der Nordsee machte eine so effektive Ausrottung wie in der Ostsee allerdings schwerer - vor allem, da der Bestand aus dem Atlantik ergänzt wurde. Doch ab den 1930ern zeichnete sich ab, dass Seehunde seltener wurden. 1953 wurde im Bundesjagdgesetz die wilde Jagd beendet. Allerdings konnte nun ein Interessierter bei der Jagdbehörde seines Landkreises einen Erlaubnisschein bekommen, mit dem er das Recht auf die Seehundjagd bekam. Für etwa 250 Mark konnte man sich von einem Führer zu einem Seehund bringen lassen und diesen erschießen. Dabei wurden Seehunde aller Altersstufen erlegt. Die Populationen brachen in den 1960ern zusammen, und der Seehund wurde eine Seltenheit. Die Niederlande verboten die Jagd 1962, doch erst 1971 folgte Niedersachsen, 1973 Schleswig-Holstein und 1977 Dänemark. Obwohl es noch heute gelegentlich zu Wilderei kommt, sterben heute kaum noch Seehunde in der Nordsee durch die Jagd. Seit Einstellung der Jagd haben sich die Bestände von einem bedrohlichen Tief wieder erholt. So gibt es im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer geschätzte 7000 Seehunde.


Umweltgifte
Auch nach dem Ende der Seehundjagd starb immer noch eine große Zahl von Seehunden durch nicht natürliche Ursachen. Umweltgifte wie PCB gelangten bis in die 1980er in Nord- und Ostsee. Sie schwächten die Seehunde und machten sie unfruchtbar; in der Ostsee, wo die Belastung besonders problematisch war, zeigten untersuchte Robben Gebärmutterverschlüsse, Tumore, Nierenschäden, Darmgeschwüre und Hautveränderungen. Aufgrund eines geschwächten Immunsystems waren die Mundhöhlen mit Pilzen übersät.

Die PDV-Seuche
Wie empfindlich der Bestand immer noch ist, zeigte eine Seuche im Jahr 1988, bei der es sich um eine Abart der Hundestaupe handelte, das PDV-Virus (phocine distemper virus). 18.000 Seehunde, zwei Drittel der gesamten Population, starben daran. Das Ausmaß der Seuche war vermutlich der allgemeinen Immunschwäche der Nordsee-Seehunde geschuldet. In von Schadstoffeinleitungen weniger betroffenen Regionen wie den norwegischen und isländischen Küsten hat die Seuche so gut wie keine Opfer unter den Seehunden gefordert. Eine Wiederholung der Seuche mit allerdings weniger katastrophalen Ausmaßen geschah 2002.

Die Herkunft des PDV war zunächst unklar. Für Aufsehen sorgte 1988 die Entdeckung, dass auch Nerze mit PDV infiziert waren. Die Theorie wurde geäußert, aus Farmen entlaufene Nerze hätten die Seehunde infiziert. Allerdings ist der Infektionsweg wahrscheinlich umgekehrt verlaufen. In den 1990ern fand man dann heraus, dass Sattelrobben das PDV-Virus in sich tragen, aber nicht daran erkranken. Da sich im harten Winter 1987 einzelne Sattelrobben in die Nordsee verirrt hatten, mag dies der Weg gewesen sein, auf dem die Seuche ins Wattenmeer gelangte. Aus Fischerkreisen wurde geäußert, die Seuche sei ein nützliches Mittel, um die Populationen auf ein natürliches Maß zu verringern. Allerdings sind die Bestände in Wirklichkeit selbst in guten Seehundjahren nur ein Bruchteil der Seehundpopulationen vergangener Jahrhunderte.


Heuler-Aufzucht

Seehunde auf einer Sandbank in der NordseeEin Problem für die Seehunde des Wattenmeers sind auch Touristen, die im Watt wandern und auf junge Seehunde stoßen. Die Muttertiere lassen die Jungen oft für lange Zeit allein. Wenn in dieser Zeit Touristen auf die Jungen stoßen und das Junge berühren oder gar streicheln, wird die Mutter das mit Menschengeruch behaftete Junge höchstwahrscheinlich nicht mehr akzeptieren. So ein Jungtier, das seine Mutter dauerhaft verloren hat, wird als „Heuler“ bezeichnet.

Die erste erfolgreiche Aufzucht eines Heulers wurde 1956 bekannt; das Tier wurde allerdings anschließend ins Aquarium Wilhelmshaven und nicht in die Freiheit verbracht, da aufgrund der damals üblichen Robbenjagd ein Überleben eines von Menschenhand aufgezogenen Seehundes für sehr unwahrscheinlich gehalten wurde. Seit den 1970ern wurden feste Seehund-Aufzuchtstationen entlang der Nordseeküste errichtet.

Heuler sind ein natürliches Phänomen. Sie haben ihr Muttertier durch Verstoßen, Tod oder Stürme verloren, oder die Mutter hat ein krankes oder verletztes Jungtier verlassen. Der Sinn der Seehund-Aufzuchtstationen ist vor allem in jüngerer Zeit heftig diskutiert worden. Zum einen sind auch gesunde Seehundjunge dorthin gebracht worden, deren Mutter auf Nahrungssuche war und zu ihrem Jungen zurückgekehrt wäre - Schätzungen der Kritiker gehen sogar davon aus, dass dies für 90 % aller eingelieferten Heuler zutrifft. Die wirklich kranken und pflegebedürftigen Seehunde hingegen seien durch natürliche Selektion ausgesondert worden, und es sei unnatürlich, diese aufzupäppeln und ihnen zu einem Leben in Freiheit zu verhelfen. In den Aufzuchtstationen kommt es zu Todesfällen durch Stress oder durch die Zwangsfütterung, die notwendig ist, da die Heuler fast immer die Nahrungsaufnahme verweigern. Die letztlich entlassenen Seehunde sind oft halbzahm und meiden ihre Artgenossen.

Die Kritik hat dazu geführt, dass Dänemark bereits seit 1985 keine Heuler mehr auswildert und seit 1993 alle gefundenen Heuler getötet werden. An deutschen Nordseeküsten gab es auch ein Umdenken. Die Station in Friedrichskoog nimmt keine kranken oder verletzten Heuler mehr auf. Viele Seehundbänke liegen heute in den Kernzonen der Nationalparks, damit Touristen keine Heuler mehr aufgreifen können. Die nach Friedrichskoog verbrachten Seehunde werden meistens nicht mehr ausgewildert, sondern lebenslang betreut.

Viele „Tierfreunde“ haben für solche Maßnahmen wenig Verständnis. In den Niederlanden suchen sie immer noch die Strände ab und bringen selbst kerngesunde Jungrobben in die Station Pieterburen. Gegen die Methoden der Mitarbeiter der Station Pieterburen, die auch an deutschen Küsten gegen geltendes Recht Heuler aufgegriffen haben und allein im Jahr 2001 über 300 junge Robben aufgezogen haben, wird seit Jahren erfolglos von Naturschützern protestiert.


Besonderheiten
Der Seehund wurde von der „Schutzgemeinschaft Deutsches Wild“ zum „Wildtier des Jahres 2006“ ausgerufen

Wasser--> ohne Wasser kein Schwimmen! HEHE

Wasser


Wasser (H2O) ist eine chemische Verbindung aus den Elementen Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H).


Wasser in seinen drei bekannten AggregatzuständenDie Bezeichnung Wasser wird besonders für den flüssigen Aggregatzustand verwendet. Im festen, also gefrorenen Zustand, wird es Eis genannt, im gasförmigen Zustand Wasserdampf oder einfach nur Dampft.


Etymologie und alternative Bezeichnungen
Das Wort Wasser leitet sich vom althochdeutschen wazzar „das Feuchte, Fließende“ ab. Das indogermanische Wort wadar ist bereits im Hethitischen des 3. Jahrtausends v.u.Z belegt.

Auch das altgriechische Wort hydor (= Wasser), von dem sich alle Fremdwörter mit dem Wortbestandteil "-hydr(o)-" ableiten, gehört zu dieser Familie.

Andere chemische Bezeichnungen für Wasser sind:

Wasserstoffoxid (auf deutsch die korrekte, weil einfachste Bezeichnung)
Diwasserstoffmonoxid, Wasserstoffhydroxid, Dihydrogeniumoxid, Hydrogeniumoxid, Hydrogeniumhydroxid oder Dihydrogenmonoxid

Vorkommen

Erde
Große Teile der Erde sind vom Wasser bedeckt, wobei dies besonders auf der Südhalbkugel der Fall ist und sich als Extrem an der Wasserhalbkugel zeigt. Die Versorgung der Weltbevölkerung mit hygienisch und toxikologisch unbedenklichem Trinkwasser, sowie einer ausreichenden Menge Nutzwasser, stellt eine der größten Herausforderungen der Menschheit in den nächsten Jahrzehnten dar.

Die Wasservorkommen der Erde belaufen sich auf circa 1 386 Millionen km3, wovon allein 1 338 Millionen km3 (96,5 %) auf das Salzwasser der Weltmeere entfallen. Nur 48 Millionen km3 (3,5 %) des irdischen Wassers liegen als Süßwasser vor. Das mit 24,4 Millionen km3 (1,77 %) meiste Süßwasser ist dabei als Eis an den Polen, Gletschern und Dauerfrostböden gebunden und somit nicht der Nutzung zugänglich. Einen weiteren wichtigen Anteil macht das Grundwasser mit 23,4 Millionen km3 aus. Das Wasser der Fließgewässer und Binnenseen (190 000 km3), der Atmosphäre (13 000 km3), des Bodens (16 500 km3) und der Lebewesen (1 100 km3) ist im Vergleich rein mengenmäßig recht unbedeutend. Dabei ist jedoch nur ein geringer Teil des Süßwassers auch als Trinkwasser verfügbar. Insgesamt liegen 98,233 % des Wassers in flüssiger, 1,766 % in fester und 0,001 % in gasförmiger Form vor. In seinen unterschiedlichen Formen weist das Wasser dabei spezifische Verweilzeiten auf und zirkuliert fortwährend im globalen Wasserkreislauf.

Diese Anteile sind jedoch nur näherungsweise bestimmbar und wandelten sich auch stark im Laufe der Klimageschichte, wobei im Zuge der globalen Erwärmung von einem Anstieg des Wasserdampfanteils ausgegangen wird.


Sonnensystem
Außerhalb der Erde kommt ebenfalls Wasser vor - zwar in gigantischen Mengen, dafür aber nur "dünn verteilt": Entweder als Eis auf anderen Himmelskörpern oder als Wasserdampf. Als Eis wurde Wasser in Kometen („schmutzige Schneebälle“), auf dem Mars und auf einigen Monden der äußeren Planeten nachgewiesen. Allein die Saturnringe enthalten überschlägig etwa 20-30% so viel Wasser, wie auf der Erde vorkommt. Viele Hinweise deuten darauf hin, dass der Mars in der Frühzeit seiner Entwicklung offene Wasserflächen enthielt. Zu den Monden zählen die Jupitermonde Europa, Ganymed und Kallisto, sämtliche Saturnmonde und Uranusmonde, die Neptunmonde (u.a. Triton, der größte Neptunmond), sowie Charon, der einzige bekannte Mond Plutos. Hinweise auf das Vorhandensein von Eis in Meteoritenkratern in Polnähe gibt es sogar bei Merkur, dem sonnennächsten Planeten. Es ist möglich, dass auf dem Erdenmond in den Polregionen am Grund tiefer Krater Eisvorkommen als Relikte von Kometeneinschlägen überlebt haben. Solche Vorkommen wären wichtige Wasser- und Sauerstoffquellen für künftige Mondbasen, sind jedoch bis auf weiteres spekulativ.


Herkunft
Hauptartikel: Herkunft des irdischen Wassers

Die Herkunft des Wassers auf der Erde, insbesondere die Frage, warum auf der Erde deutlich mehr Wasser vorkommt als auf den anderen erdähnlichen Planeten, ist bis heute nicht befriedigend geklärt. Ein Teil des Wassers dürfte durch das Ausgasen der Magma entstanden sein, also letztlich aus dem Erdinneren stammen. Ob dadurch aber die Menge an Wasser erklärt werden kann, ist fragwürdig. Weitere große Anteile könnten aber auch durch Einschläge von Kometen, transneptunischen Objekten oder wasserreichen Asteroiden (Protoplaneten) aus den äußeren Bereichen des Asteroidengürtels auf die Erde gekommen sein. Messungen des Isotopenverhältnisses von Deuterium zu Protium (D/H-Verhältnis) deuten dabei eher auf Asteroiden hin, da in Wassereinschlüssen in kohligen Chondriten ähnliche Verhältnisse gefunden wurden wie in ozeanischem Wasser, wohingegen bisherige Messungen dieses Isotopenverhältnisses an Kometen und transneptunischen Objekten nur schlecht mit irdischem Wasser übereinstimmten.


Wassermolekül
Hauptartikel: Wassermolekül

Das Molekül des Wassers besteht aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom. Geometrisch ist das Wassermolekül gewinkelt, so dass die zwei Wasserstoffatome und die zwei Elektronenpaare in die Ecken eines gedachten Tetraeders gerichtet sind. Der Winkel, den die beiden O-H-Bindungen einschließen beträgt 104,45°. Er weicht aufgrund des erhöhten Platzbedarfs der freien Elektronenpaare vom idealen Tetraederwinkel (~109,47°) ab. Die Bindungslänge der O-H-Bindungen beträgt jeweils 95,84 Picometer.

Sauerstoff hat in der Pauling-Skala mit 3,5 eine höhere Elektronegativität als Wasserstoff mit 2,1. Das Wassermolekül weist dadurch ausgeprägte Partialladungen auf. In Kombination mit der dreieckigen Geometrie kommt es auf der Seite des Sauerstoffs zu einer negativen und auf der Seite der beiden Wasserstoffatome zu einer positiven Polarität. Diese bewirkt das Dipolmoment, das in der Gasphase 1,84 Debye beträgt.

Wassermoleküle wechselwirken miteinander über Wasserstoffbrückenbindungen und besitzen dadurch ausgeprägte zwischenmolekulare Anziehungskräfte. Es handelt sich dabei um keine beständige, feste Verkettung. Der Verbund der über Wasserstoffbrückenbindungen unbeständig verketteten Wassermoleküle besteht nur Bruchteile von Sekunden, wonach sich die einzelnen Moleküle wieder aus dem Verbund lösen und sich in einem ebenso kurzen Zeitraum erneut verketten. Dieser Vorgang wiederholt sich ständig und führt letztendlich zur Ausbildung eines variablen Clusters. Hierdurch werden wichtige Eigenschaften wie die Dichteanomalie hervorgerufen.

Je nach Isotopenzusammensetzung des Wassermoleküls unterscheidet man „schweres Wasser“, „halbschweres Wasser“ und „überschweres Wasser“. Die Molmassen betragen ca. 18 g/mol (H2O), 19 g/mol (HDO), 20 g/mol (D2O, HTO), 21 g/mol (DTO) und 22 g/mol (T2O).

Die Anomalie des Wassers
Wasser hat unter Normaldruck bei 3,98 °C das kleinste Volumen und die größte Dichte (0,999972 g/cm³). Daher dehnt es sich - wenn man von dieser Anfangstemperatur ausgeht - sowohl bei Erwärmung als auch bei Abkühlung aus (Dichte sinkt in beiden Richtungen ab).

Hauptartikel: Eigenschaften des Wassers, Stoffdaten des Wassers


Synthese, Elektrolyse und Nachweis
Wasser wurde zum ersten Mal synthetisiert, als Henry Cavendish im 18. Jahrhundert ein Gemisch aus Wasserstoff und Luft zum Explodieren brachte.

Da Wasserstoff in der Zukunft Energieträger werden soll, ist geplant, durch die Elektrolyse des Wassers diesen Wasserstoff zu gewinnen. Allerdings ist ein hoher Energieaufwand für die Elektrolyse nötig. Mittlerweile ist es Forschern gelungen, Wasser durch Anwesenheit eines Katalysators nur mittels Sonnenlicht in Sauerstoff und Wasserstoff aufzuspalten:


Nachweisreaktion: Wasser färbt weißes Kupfersulfat hellblau und blaues Cobalt(II)-chloridpapier wird durch Wasser rot gefärbt, Karl-Fischer-Titration.


Geschichte der Wassernutzung
Hauptartikel: Geschichte der Wassernutzung

Die Geschichte der menschlichen Nutzung des Wassers und somit jene der Hydrologie, der Wasserwirtschaft und besonders des Wasserbaus, ist durch eine vergleichsweise geringe Zahl von Grundmotiven geprägt. Von den ersten sesshaftwerdenen Menschen zu den Hochkulturen der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit stand im Zentrum immer ein Konflikt zwischen einem zu viel und einem zu wenig an Wasser. Ihm war man dabei fast immer ausgeliefert, ob durch Dürren die Ernte einging oder Hochwasser Leben und Besitz bedrohte. Ohne die Kenntnis woher das Wasser kam und wohin es ging, wurde es zu einem Gegenstand der Mytholgie und später auch Naturphilosophie. Noch heute kommt dem Wasser in den meisten Religionen der Welt eine Sonderstellung zu, besonders dort, wo die Frage des Überlebens von der Lösung der zahleichen Wasserprobleme abhing.

Ziel war es allen Nutzungsansprüchen gerecht zu werden und dabei auch jedem Menschen den ihm zustehenden Teil des Wassers zu garantieren. Hierzu wurde das Wasserrecht als eine der ersten Rechtsformen zum Mitbegründer der ersten zentralistischen Zivilisationen von Mesopotamien und Ägypten, bis in die Flusstäler Chinas und Indiens.

Die lange Geschichte der Wassernutzung zeigt sich dabei, wie die Menschheitsgeschichte insgesamt, nicht als ein kontinuierlicher Entwicklungspfad. Sie wurde vor allem durch einzelne Zentren hohen wasserwirtschaftlichen Standards sowie immer wiederkehrende Brüche geprägt, neben oft Jahrhunderte lang währenden Stagnationsphasen. So beeindruckend die frühen wasserbaulichen Anlagen dabei auch waren, wie groß sich Innovationskraft und Kreativität unserer Vorfahren auch zeigte, letztlich war und ist man auch heute noch abhängig von der Natur, die man jedoch erst in vergleichsweise jüngster Zeit anfing wirklich zu verstehen.


Bedeutung des Wassers in den Wissenschaften
Zur Bedeutung für das Leben und die Welt allgemein siehe: Bedeutung des Wassers

Wasser spielt wegen seiner besonderen chemischen und physikalischen Eigenschaften, vor allem des Dipolmoments, der Wasserstoffbrückenbindung und der Dichteanomalie, eine zentrale Rolle in vielen Wissenschaften und Anwendungsgebieten. Es ist der wahrscheinliche Entstehungsort des irdischen Lebens und unter Umständen auch eine Bedingung für dieses. In Organismen und in unbelebten Bestandteilen der Geosphäre spielt es als vorherrschendes Medium bei fast allen Stoffwechselvorgängen beziehungsweise geologischen und ökologischen Elementarprozessen eine entscheidende Rolle. Die Erdoberfläche ist zu circa 72 % von Wasser bedeckt, wobei Ozeane hieran den größten Anteil tragen. Süßwasserreserven bilden lediglich 2,53 % des irdischen Wassers und nur 0,3 % sind als Trinkwasser zu erschließen (Dyck 1995). Durch die Rolle des Wassers in Bezug auf Wetter und Klima, als Landschaftsgestalter im Zuge der Erosion und durch seine wirtschaftliche Bedeutung unter anderem in den Bereichen der Land-, Forst- und Energiewirtschaft ist dieses zudem in vielfältiger Weise mit Geschichte, Wirtschaft und Kultur der menschlichen Zivilisation verbunden.

Die Wissenschaft, welche sich mit der räumlichen wie zeitlichen Verteilung des Wassers und dessen Eigenschaften beschäftigt, bezeichnet man als Hydrologie. Insbesondere untersucht die Ozeanologie das Wasser der Weltmeere, die Limnologie das Wasser der Binnengewässer, die Hydrogeologie das Grundwasser und die Aquifere, die Meteorologie den Wasserdampf der Atmosphäre und die Glaziologie das gefrorene Wasser unseres Planeten. In flüssiger Form wurde Wasser bislang nur auf der Erde nachgewiesen.


Wasserchemie
Die Chemie beschäftigt sich unter anderem mit der Analyse von im Wasser gelösten Stoffen, den Eigenschaften des Wassers, dessen Nutzung, dessen Verhaltensweise in verschiedenen Zusammenhängen. Wasser ist ein Lösungsmittel für viele Stoffe, für Ionenverbindungen, aber auch für hydrophile Gase und hydrophile organische Verbindungen. Sogar gemeinhin als in Wasser unlöslich geltende Verbindungen können in Spuren im Wasser enthalten sein. Daher liegt Wasser auf der Erde nirgends in reinem Zustand vor. Es hat je nach Herkunft die unterschiedlichsten Stoffe in mehr oder weniger großen Konzentrationen in sich gelöst. In der Analytik unterscheidet man unter anderem folgende Wassertypen:

Reinstwasser
Demineralisiertes Wasser
Destilliertes Wasser
Enteisentes Wasser
Ätherisches Wasser
Rohwasser
Regenwasser
Grundwasser
Oberflächenwasser (Fließ- und Stehgewässer),
Süßwasser/Salzwasser/Brackwasser
Mineralwasser
Trinkwasser
leichtes Wasser
schweres Wasser
Überschweres Wasser
Abwasser, (Haushalts-Abwässer, landwirtschaftliche Abwässer, Industrie-Abwässer)
Aber auch bei den wässrigen Auslaugungen (Eluaten) von Sedimenten, Schlämmen, Feststoffen, Abfällen und Böden wird die Wasseranalytik eingesetzt.

Um die Eigenschaften des Wassers und eventuell darin gelöster Stoffe, bzw. damit in Kontakt stehender fester Phasen aufzuklären hat sich die Molekulardynamik-Simulation bewährt.

Siehe auch: Wasserhärte, Gewässergüteklasse, Hydrophobie, Hydrophilie

Wasser in den Geowissenschaften

Der isländische Geysir Strokkur kurz vor dem AusbruchIn den Geowissenschaften haben sich Wissenschaften herausgebildet, die sich besonders mit dem Wasser beschäftigen: die Hydrogeologie, die Hydrologie, die Glaziologie, die Limnologie, die Meteorologie und die Ozeanographie. Besonders interessant für die Geowissenschaften ist, wie Wasser das Landschaftsbild verändert (von kleinen Veränderungen über einen großen Zeitraum bis hin zu Katastrophen, bei denen Wasser innerhalb weniger Stunden ganze Landstriche zerstört), dies geschieht zum Beispiel auf folgende Weisen:

Flüsse oder Meere reißen Erdmassen mit sich und geben sie an anderer Stelle wieder ab (Erosion).
Durch sich bewegende Gletscher werden ganze Landschaften umgestaltet.
Wasser wird von Steinen gespeichert, gefriert in diesen und sprengt die Steine auseinander, weil es sich beim Gefrieren ausdehnt (Frostverwitterung).
Durch Dürren werden die natürlichen Ökosysteme stark beeinflusst.
Wasser ist nicht nur ein bedeutender Faktor für die mechanische und chemische Erosion von Gesteinen sondern auch für die klastische und chemische Sedimentation von Gesteinen. Dadurch entstehen unter anderem Grundwasserleiter.

Auch interessiert Geowissenschaftler die Vorhersage des Wetters und besonders von Regenereignissen (Meteorologie).

Siehe auch: Gewässer, Gletscher, Permafrostboden, Binnenmeer, Binnensee, Teich, Meer, Ozean, Fluss, Bach, Flussau

Wasser in der Hydrodynamik
Die verschiedenen strömungstechnischen Eigenschaften und Wellentypen auf mikroskopischer und makroskopischer Ebene werden intensiv untersucht, wobei folgende Fragestellungen im Mittelpunkt stehen:

Optimierung von Bootskörpern und exponierter Baukörper (zum Beispiel Wehre) - Minimierung des Strömungswiderstandes
Optimierung des Wirkungsgrades von wassergetriebenen Turbinenrädern
Untersuchung von Strömungsphänomenen und Resonanzkatastrophen (Tsunami, Monsterwellen)
Untersuchung der Konsistenz und Qualität des Mediums Wasser aus der Analyse seiner charakterisierenden Strömungseigenschaften. Mit diesem Aspekt beschäftigt sich das Institut für Strömungswissenschaften in Herrischried im Südschwarzwald.

Kulturelle Bedeutung des Wassers
Aufgrund der großen Bedeutung des Wassers wurde es nicht zufällig bereits bei den frühesten Philosophen zu den vier Urelementen gezählt. Thales von Milet sah im Wasser sogar den Urstoff allen Seins.


Wasser in der Mythologie
Wasser ist in der von Empedokles eingeführten und dann vor allem von Aristoteles vertretenen Vier-Elemente-Lehre neben Feuer, Luft und Erde ein Element.

Ebenso ist Wasser in der taoistischen Fünf-Elemente-Lehre (neben Holz, Feuer, Erde, Metall) vertreten. Die Bezeichnung Elemente ist hier jedoch etwas irreführend, da es sich um verschiedene Wandlungsaspekte eines zyklischen Prozesses handelt.

Im antiken Griechenland wurde dem Element Wasser das Ikosaeder als einer der fünf Platonischen Körper zugeordnet.


Wasser in der Religion
In den Religionen hat Wasser häufig einen hohen Stellenwert. Oft wird die reinigende Kraft des Wassers beschworen, zum Beispiel bei den Moslems in Form der rituellen Fußwaschung vor dem Betreten einer Moschee, oder im Hindu-Glauben beim rituellen Bad im Ganges. Im Judentum besitzt so gut wie jede Gemeinde eine Mikwe, ein Ritualbad mit fließendem reinen Wasser, das oft aus einem tiefreichenden Grundwasserbrunnen besteht, wenn Quellwasser nicht zur Verfügung steht. Nur wer sich vollständig untertaucht, wird rituell gereinigt. Notwendig ist dies nicht nur für Frauen nach Menstruation oder Geburt, sondern auch für zum Judentum Bekehrte - ähnlich einer christlichen Taufe - oder bei orthodoxen Juden vor dem Schabbat und vor Feiertagen.
Die christliche Taufe wurde bis ins späte Mittelalter durch Untertauchen oder Übergießen mit Wasser als Ganzkörpertaufe vollzogen, im Westen heute meist nur noch durch Besprengen mit Wasser. Die Taufe bedeutet Hinwendung zu Christus und Aufnahme in die Kirche. Sie steht auch symbolisch für Sterben (Untertauchen) und Auferstehen (ankommen am Ufer des neuen Lebens). In der katholischen und orthodoxen Kirche spielt das Weihwasser eine besondere Rolle. Vor allem die reinigende Kraft des Wassers gab immer wieder Anlass, über die Bedeutung des Wassers für das Leben und auch für ein Leben nach dem Tod nachzudenken.

Wasser in der Esoterik
In der Esoterik heißt es, Wasser sei in seiner Struktur veränderbar und übertrage so Informationen. Diese Wasser werden als "Polywasser", "levitiertes", "formatiertes" oder Belebtes Wasser bezeichnet und gehen zum Teil zurück auf Masaru Emoto, Viktor Schauberger oder Wilfried Hacheney.


Wasser als Trinkwasser und Produkt
Die zur Trinkwasserversorgung nutzbaren Wasservorkommen werden unterschieden in Niederschlagswasser, Oberflächenwasser in Flüssen, Seen, Talsperren, Grundwasser, Mineralwasser und Quellwasser. Die Nutzung der Gewässer wird im Wasserhaushaltsgesetz (in Deutschland, Österreich und der Schweiz (?)) geregelt. In Mitteleuropa gibt es eine zuverlässige, weitgehend kostendeckende und hochwertige Wasserversorgung, meist noch durch öffentliche Anbieter. Meist kommt Leitungswasser aus der näheren Region, für die der kommunale Versorger auch ökologisch Verantwortung übernimmt. Der weltweite Wassermarkt hat ein Wachstum wie kaum eine andere Branche. Deshalb haben private Anbieter großes Interesse, Wasser als Handelsware zu definieren, um diesen Markt zu übernehmen.

Auch wenn das normale Trinkwasser nicht direkt eine Handelsware darstellt, so wird auch von manchen Organisationen ins Treffen geführt, dass durch die Globalisierung auch ein indirekter Wasserexport, vor allem der Länder der dritten Welt, stattfindet. Das bedeutet beispielsweise, dass für den Anbau von Bananen 1.000 l/m² Boden notwendig ist. Durch Produktionssteigerungen, die für den Export bestimmt sind, fehlt das Wasser der einheimischen Bevölkerung. (Quelle: Wuppertaler Institut)

Wasserverbrauch
Der Wasserverbrauch ist das für den menschlichen Verbrauch benötigte Wasser. Dieses umfasst den unmittelbaren menschlichen Genuss (Trinkwasser) ebenso wie den zum alltägliche Leben (Waschen, Kochen etc.) sowie für die Landwirtschaft, das Gewerbe und die Industrie (siehe Nutzwasser) gegebenen Bedarf. Wie der Wortsinn - verbrauch darlegt, wird hierbei das Wasser im Hinblick auf seine Menge und Qualität geändert. Der Wasserverbrauch ist daher nicht nur eine Kenngröße für die nachgefragte Wassermenge, sondern zumeist auch für die Entsorgung (Kanalisation, Kläranlage)

Der Wasserbedarf in Deutschland betrug 1991 47,9 Milliarden m3, wovon allein 29 Milliarden m3 als Kühlwasser in Kraftwerken dienten. Rund 11 Milliarden m3 wurden direkt von der Industrie genutzt, 1,6 Milliarden m3 von der Landwirtschaft. Nur 6,5 Milliarden m3 dienten der Trinkwasserversorgung. Der durchschnittliche Wasserverbrauch beträgt rund 130 Liter pro Einwohner und Tag (davon etwa 1 Liter zum Trinken, neben Cola, Bier oder anderen Getränken welche ebenfalls Wasser enthalten).

Siehe auch: Abwasser, Nutzwasser, Verbrauch

Wasserversorgung

Staaten mit der geringsten Verfügbarkeit an sich erneuerndem Süßwasser pro Einwohner und JahrDie Versorgung der Menschheit mit sauberem Wasser stellt Menschen nicht nur in den Entwicklungsländern vor ein großes logistisches Problem. Nur 0,3 % der weltweiten Wasservorräte sind als Trinkwasser verfügbar, das sind 3,6 Millionen km3 von insgesamt ca. 1,38 Milliarden km3.

Um die Wasserknappheit in niederschlagsarmen Ländern zu lindern, wurden schon verrückt erscheinende Ideen erwogen: so wurde vorgeschlagen, mit Schleppern einen riesigen Eisberg über das Meer zu schleppen, der nur zum Teil schmelzen würde, und von dem auftauenden Eisberg Trinkwasser aufzufangen.

Siehe auch: Wasserverteilungssystem, Wasseraufbereitung, Wasseraufbereitungsanlage, Wasserwirtschaft, Wasserreinhaltung


Gesetzliche Grundlagen und Behörden
Hauptartikel: Wasserrecht

Die wasserrechtlichen Grundlagen der Wasserwirtschaft und des öffentlichen Umganges mit den Wasserresourcen bilden in Deutschland das Wasserhaushaltsgesetz und die Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Wichtige Behörden und Institutionen sind:

Wasser- und Schifffahrtsamt
LAWA (Arbeitsgemeinschaft)

Ausstellungen und Veranstaltungen rund ums Wasser
Von 2005 bis 2014 hat die UNO zur Internationalen Aktionsdekade „Wasser – Quelle des Lebens“ aufgerufen
Weltwasserforum
Weltwassertag
Museum Wasserforum HWW (Hamburger Wasserwerke)

Siehe auch
Trinkwasser, Mineralwasser, - Wasser als Getränk
Brackwasser, Salzwasser und Süßwasser - Wasserarten nach Salzgehalt
Gewässer - Allgemeine Bezeichnung für natürliche und künstliche Wasseransammlungen
Wasser als Handelsware, Umwelt- und Ressourcenkonflikte
Weihwasser - als Symbol in der Religionsgeschichte
Wasser - Der Film, einen Film aus Großbritannien, 1985, mit deutschem Titel
Mpemba-Effekt, abnormaler Gefriervorgang
Aquaristik - Wasserökotope und ihre Haltung
Dihydrogenmonooxid

Literatur
Allgemeine Inhalte

Karl Höll, Andreas Grohmann et. al. (2002): Wasser. Nutzung im Kreislauf. Hygiene, Analyse und Bewertung. 8. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin - New York.
Dyck & Peschke (1995): Grundlagen der Hydrologie. 3. Auflage, Verlag Bauwesen. ISBN 3345005867
Philip Ball (2001): H2O – Biographie des Wassers. Piper Verlag. ISBN 3492041566
Wasserchemie

Günter Wieland (1999): Wasserchemie. 12. Auflage, Essen. ISBN 3802725425
Bernd Naumann (1994): Chemische Untersuchungen der Lebensgrundlage Wasser. Herausgeber: Landesinstitut für Lehrerfortbildung, Lehrerweiterbildung und Unterrichtsforschung von Sachsen-Anhalt (LISA)], (=Anregungen zur ökologischen Bildung, Bd. 2), Halle.
Nutzung und Schutz

Properties of Water and Steam in SI-Units, Thermodynamische Eigenschaften von Wasser und Wasserdampf, 0 - 800 °C, 0 - 1000 bar; Springer-Verlag 1981 ISBN 3-540-09601-9, ISBN 0-387-09601-9
Christian Opp (Hrsg.): Wasserressourcen - Nutzung und Schutz (=Beiträge zum Internationalen Jahr des Süßwassers 2003) Marburg/Lahn 2004, 320 S., ISBN 388353049

Gesundheit/Esoterik

Batmanghelidj, F. (2002): Wasser - die gesunde Lösung. Ein Umlernbuch. VAK Verlag. ISBN 3924077835
Batmanghelidj, F. (2003): Sie sind nicht krank, Sie sind durstig! Heilung von innen mit Wasser und Salz. VAK Verlag. ISBN 3935767250

Britta Steffen

Britta Steffen

Karriere
Ihre Schwimmkarriere begann Britta Steffen beim SSV PCK 90 in Schwedt. Später wechselte sie nach Potsdam auf ein Sportgymnasium.

1998 und 1999 belegte Steffen bei Jugendmeisterschaften auf deutscher und europäischer Ebene diverse Medaillienplätze in verschiedenen Disziplinen. Allein bei den europäischen Juniorenmeisterschaften erlang sie 8 Siege.

Bei den Deutschen Meisterschaften 2000 belegte sie als Jahrgangsbeste jeweils den dritten Platz in 50m Freistil und 200m Freistil und startete bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney als Vorlaufschwimmerin in 4x200m Freistil (3. Platz). Außerdem belegte sie mit dem 4x100m Freistil Team einen 4. Platz.

Nach Olympia kam Steffen in ein Formtief. Bei den Deutschen Meisterschaften 2001 und 2002 stagnierte sie, bei der EM 2002 war sie auch nur Vorlaufschwimmerin. Nach der EM wechselte sie zu zur SG Neukölln (wo auch Franziska van Almsick trainierte) nach Berlin, wo sie zu alter Form zurückfand.

Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen startet Britta Steffen auf zwei Strecken, ohne aber die gesteckten Ziele zu erreichen. Derzeit gehört sie zum Perspektivkader des DSV für die Olympischen Spiele 2008 in Peking

Franziska van Almsick

Leben
Franziska van Almsick, von Fans und Medien auch "Franzi" genannt, begann als Fünfjährige mit dem Schwimmen. Mit sieben Jahren wurde sie ins Ostberliner Schwimm-Trainingszentrum aufgenommen, wo sie die Jüngste war. Sie kam bald darauf in eine Kinder- und Jugendsportschule (KJS) der DDR, und bereits mit elf Jahren gewann sie bei der Kinder- und Jugendspartakiade neun Goldmedaillen. Nach Jugend-Wettkämpfen der DDR gewann sie bei Junioren-Europa- und Weltmeisterschaften.

1992 Weltcup-Sieg über 100 m Freistil. Bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona gewann sie die Silbermedaille über 200 m Freistil, Silber mit der 4 x 100 m Lagen-Staffel und Bronze mit der 4 x 100 m Freistil-Staffel. Nach den Olympischen Spielen von Barcelona avancierte sie zum ersten gesamtdeutschen Sportstar nach der Wiedervereinigung und ihr Bekanntheitsgrad wurde vergleichbar mit dem von Popstars.

1992 Weltrekord in der Disziplin über 50 m Freistil. 1993 konnte sie beim Weltcup dreimal einen neuen Weltrekord aufstellen und wurde Weltcup-Gesamtsiegerin. 1993 bei den Europameisterschaften in England gewann sie sechs Goldmedaillen und wurde für ihre Leistungen zur "Welt-Sportlerin des Jahres" gewählt.

Dramatisch war ihr Auftritt bei den Schwimmweltmeisterschaften 1994. Auf ihrer Paradedisziplin 200 m Freistil konnte sie sich zunächst als Neunte im Halbfinale nicht für das Finale qualifizieren. Ihre Mannschaftskollegin Dagmar Hase, die sich qualifiziert hatte, trat daraufhin nicht im Finale an und ihr Platz wurde frei für van Almsick. Das Finale wurde dann zu einem Triumph für die Berlinerin und sie wurde Weltmeisterin, wobei sie gleichzeitig einen neuen Weltrekord aufstellte.

Bei den Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta ging sie über 200 m Freistil als große Favoritin an den Start, gewann dann aber "nur" die Silbermedaille. Dies war der Beginn der verzweifelten Jagd nach einem Olympiasieg, der ihr bis zum Karriereende 2004 nicht gelingen sollte. Zur riesigen sportlichen Enttäuschung wurden für sie die Olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney, von denen sie nach Deutschland zurückkehrte, ohne an einem Einzelfinale teilgenommen zu haben; immerhin reichte es für eine Staffel-Bronzemedaille. Wurde sie in den früheren Jahren von den deutschen Massenmedien noch in den Himmel gelobt, so fielen sie jetzt über sie her. Die Bild-Zeitung nannte sie Franzi van Speck. Das Karriereende schien für sie nah.

Doch Franziska van Almsick schlug im Jahr 2002 spektakulär zurück: bei den Schwimm-Europameisterschaften in ihrer Heimatstadt Berlin gelang ihr der Europameistertitel über 200 m Freistil, wobei sie ihren eigenen Fabelweltrekord von 1994 nochmals verbesserte und erneut zur Favoritin für Athen 2004 avancierte. Für dieses Comeback wurde sie 2002 erneut zur Sportlerin des Jahres gewählt.

Die Olympischen Spiele 2004 sollte der Karrierefinal- und Höhepunkt für sie werden. Doch erneut gelang es ihr nicht, eine Goldmedaile zu gewinnen. Sie beendete ihre Karriere mit der 4x200 Meter Freistilstaffel (mit neuem Europarekord) und der 4x100 Meter Lagenstaffel und gewann jeweils die Bronzemedaille und erreichte Rang 5 über 200 m Freistil.

Bei den Schwimmweltmeisterschaften 2005 in Montréal arbeitete sie als Co-Kommentatorin für die A

Michelle Smith

Michelle Smith (* 16. Dezember 1969 in Rathcoole County Dublin), jetzt eher unter ihrem Heiratsnamen Michelle de Bruin bekannt, ist eine ehemalige irische Schwimmerin.

Sie war dreifache Goldmedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta (400 Meter Lagen, 400 Meter Freistil und 200 Meter lagen). Außerdem gewann sie über 200 Meter Schmetterling die Bronzemedaille. Sie sorgte damit im Alleingang für die zweitbeste Olympiabilanz Irlands aller Zeiten.

Ihre unerwarteten Erfolge führten zu Spekulationen über angebliche Dopingpraktiken, doch es wurde nie etwas nachgewiesen. Die Verdächtigungen rührte daher, weil ihr Trainer und Ehemann Erik de Bruin während seiner Diskuswurf-Karriere eine vierjährige Dopingsperre erhielt, nachdem ihm ein zu hoher Testosteron-Anteil nachgewiesen worden war.

Zwei Jahre später wurde Michelle Smith durch den Weltverband FINA für vier Jahre gesperrt. Allgemein wurde angenommen, sie habe Dopingmissbrauch betrieben. Doch die Sperre wurde ausgesprochen, obwohl die Urinprobe mit Alkohol kontaminiert war. Smith legte Rekurs ein, dieser wurde jedoch abgelehnt.

Die negativen Erfahrungen mit dem Internationalen Sportgerichtshof hatten einen Einfluss auf Smiths Leben nach der Sportkarriere. Sie begann, sich für die Rechtsprechung zu interessieren, studierte Rechtswissenschaft und machte ihren Abschluss am University College Dublin.




Personendaten
NAME Smith, Michelle
ALTERNATIVNAMEN Michelle de Bruin
KURZBESCHREIBUNG Irische Schwimmerin
GEBURTSDATUM 16. Dezember 1969
GEBURTSORT Rathcoole County Dublin
STERBEDATUM
STERBEORT

Kategorien: Frau | Schwimmer (Irland) | Olympiasiegerin | Geboren 1969


Micheal Klim

Michael Klim
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Michael Klim (* 13. August 1977 in Gdynia, Polen) ist ein australischer Schwimmer.

Der in Polen geborene Klim wanderte 1981 mit seinen Eltern zunächst nach Deutschland aus. Nach Stationen in Indien und Kanada lebt die Familie seit 1991 in Australien in der Nähe von Canberra. Die Anfänge des Schwimmens als Leistungssportler begannen bereits in Hamburg. Zu einem der weltbesten Schmetterling- und Kraulschwimmer stieg er Ende der 1990er Jahre in Australien auf. Mittlerweile war er australischer Staatsbürger geworden und nahm an Olympischen Spielen 1996 in Atlanta teil. Einzige Medaille war allerdings die Bronzemedaille mit der australischen Lagen-Staffel.

Seinen Durchbruch erlebte er 1998 bei den Schwimm-Weltmeisterschaften im australischen Perth. Seine Ausbeute: viermal Gold bei insgesamt sieben Medaillen. Nach diesen Erfolgen kam Klim erstmals wieder in sein Heimatland Polen und wurde sogar vom polnischen Präsidenten Aleksander Kwaœniewski empfangen. Er identifiziert sich weiterhin als Pole mit australischem Pass und die Menschen in Polen empfinden ihn als polnischen Schwimmer, die seine Erfolge bei Meisterschaften genauso feiern wie die anderer polnischer Sportler.

Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney war er auf den Delphinstrecken einer der großen Favoriten. Über 100 m Delphin hielt er den Weltrekord, wurde jedoch von dem Schweden Lars Frölander völlig überraschend geschlagen. Nachdem er auf die 200 m Freistilstrecke verzichtet hatte, war für ihn eine Medaille über 100 m Freistil eine Verpflichtung. Doch auch hier wurde er nur Vierter und ging leer aus. Jedoch blieben die Spiele im eigenen Land doch noch in guter Erinnerung durch zwei Goldmedaillen mit den Freistilstaffeln.

Michael Klim startete bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen in den australischen Freistilstaffeln und gewann über 4 x 200 m Freistil die Silbermedaille.

Klims Karriere steht nach den Spielen von Athen langsam aber sicher vor ihrem Ende. Mittlerweile beendete er ein Wirtschaftsstudium und gründete in Australien Schwimmschulen unter dem Namen: Klim Swim. In Melbourne existieren bereits fünf dieser Schulen.




Personendaten
NAME Klim, Michael
ALTERNATIVNAMEN
KURZBESCHREIBUNG australischer Schwimmer
GEBURTSDATUM 13. August 1977
GEBURTSORT Gdynia
STERBEDATUM
STERBEORT

Kategorien: Mann | Australier | Schwimmer (Australien) | Olympiasieger | Geboren 1977 | Weltmeister

Micheal Phelps

Michael Phelps (* 30. Juni 1985 in Baltimore, Maryland) ist ein US-amerikanischer Schwimmer und Weltrekordhalter.

Michael Phelps nahm 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney als der jüngste männliche Schwimmer im US-Team seit 68 Jahren teil. Phelps konnte zwar keine olympische Medaille erreichen, jedoch schaffte er schon fünf Monate später seinen Durchbruch, als er den Weltrekord über 200 m Schmetterling brach und bei den Schwimmweltmeisterschaften im japanischen Fukuoka seine eigene Bestzeit auf 1:54.58 min. verbesserte.

Bei den US-amerikanischen Schwimmeisterschaften in Fort Lauderdale brach Phelps zudem den Weltrekord über 400 m-Lagen und setzte neue nationale Bestmarken über 100 m Schmetterling und 200 m Lagen. 2003 verbesserte er seinen 400-m-Lagen-Weltrekord auf 4:09.09 min und den über 200 m Lagen auf 1:56.04 min.

Während der US-amerikanischen Vorausscheidung für die Olympischen Spiele 2004 stellte Phelps in 4:08.41 min. erneut eine neue Bestzeit über 400 m Lagen auf, die er im Finale der Spiele in Athen auf 4:08.26 min. verbesserte und damit seine erste Goldmedaille gewinnen konnte.

Wegen seiner Dominanz wird Michael Phelps immer wieder mit seinem Landsmann Mark Spitz verglichen, der bei den Olympischen Spielen 1972 in München sieben Goldmedaillen gewann. Phelps hätte mit acht Starts bei den Spielen in Athen diesen Rekord brechen können. Sein Sponsor Speedo kündigte in diesem Fall die Auszahlung einer Prämie von einer Million US-Dollar an. Phelps gewann Gold über 100 und 200 m Schmetterling, über 200 und 400 m Lagen und mit der US-Staffel über 4 x 200 m Freistil sowie Bronze über 200 m Freistil und mit der Staffel über 4 x 100 m Freistil.

Die Biografie von Michael Phelps erschien 2005 auf Deutsch unter dem Titel "Unter der Oberfläche".


EinklappenOlympiasieger über 200 m Lagen
1968: Charles Buchanan Hickcox | 1972: Gunnar Larsson | 1984: Alexander Baumann | 1988: Tamas Darnyi | 1992: Tamas Darnyi | 1996: Attila Czene | 2000: Massimiliano Rosolino | 2004: Michael Phelps


EinklappenOlympiasieger über 400 m Lagen
1964: Richard Roth | 1968: Charles Hickcox | 1972: Gunnar Larsson | 1976: Rod Strachan | 1980: Aleksander Sidorenko | 1984: Alex Baumann | 1988: Tamas Darnyi | 1992: Tamas Darnyi | 1996: Tom Dolan | 2000: Tom Dolan | 2004: Michael Phelps


EinklappenOlympiasieger über 100 m Schmetterling
1968: Douglas Albert Russell | 1972: Mark Spitz | 1976: Matthew Haynes Vogel | 1980: Pär Arvidsson | 1984: Michael Groß | 1988: Anthony Nesty | 1992: Pablo Morales | 1996: Denis Pankratow | 2000: Lars Frolander | 2004: Michael Phelps


EinklappenOlympiasieger über 200 m Schmetterling
1956: William Albert Jr. Yorzyk | 1960: Michael Francis Troy | 1964: Kevin John Berry | 1968: Carl Joseph Robie III | 1972: Mark Spitz | 1976: Michael Lee Bruner | 1980: Sergei Fesenko | 1984: Jonathan Sieben | 1988: Michael Groß | 1992: Melvin Stewart | 1996: Denis Pankratow | 2000: Tom Malchow | 2004: Michael Phelps





Personendaten
NAME Phelps, Michael
ALTERNATIVNAMEN
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Schwimmer und Weltrekordhalter
GEBURTSDATUM 30. Mai 1985
GEBURTSORT Baltimore, Maryland
STERBEDATUM
STERBEORT
Kategorien: Mann | Schwimmer (USA) | Olympiasieger | Geboren 1985 | Weltmeister

Schwimmen!

Schwimmen als physikalischer Effekt

Im stark salzhaltigen Toten Meer muss ein menschlicher Körper nur wenig eintauchen, um zu schwimmen.Ein Körper schwimmt, d.h. er verbleibt auf der Oberfläche einer Flüssigkeit. Hierzu muß er soviel von ihrer Masse verdrängt hat, wie er selbst wiegt. Anders ausgedrückt kann die von der Schwerkraft angezogene Körpermasse an diesem Punkt nicht genug Kraft ausüben, um noch mehr von der Flüssigkeit zu verdrängen.

Physikalisch wird dies detaillierter erklärt in "Auftrieb" und "Archimedisches Prinzip".

Körper, die als hinreichend große Hohlform ausgeführt sind, können trotz größeren spezifischen Gewichts soviel Flüssigkeit verdrängen, daß sie im schwimmenden Zustand verbleiben (solange die Flüssigkeit nicht in den Hohlraum eindringt). Aus diesem Grund können Schiffe und Pontons aus dem weit schwereren Stahl und Beton auf dem Wasser schwimmen.


Schwimmen als Fortbewegungsart

BrustschwimmenSchwimmen als die Fortbewegung von Lebewesen im Wasser erfolgt durch gezielte Bewegung des ganzen Körpers oder seiner Gliedmaßen. Schlangen und Delfine können sich durch wellenförmige Körperbewegungen durchs Wasser bewegen, Fische erzeugen ihren horizontalen Vortrieb durch Wedelbewegungen mit der Schwanzflosse, Kopffüßer nutzen das Rückstoßprinzip zum Vortrieb. Der Mensch bewegt seine Gliedmaßen in einer Weise, die ihn im Wasser in die gewünschte Richtung trägt. Durch häufige Ausübung haben sich besonders effiziente Arten von Schwimmbewegungen herausgebildet, die vor allem im Schwimmsport als „Schwimmstile“ bekanntgeworden sind.

Die Fortbewegung im Wasser beinhaltet nicht unbedingt den Verbleib auf deren Oberfläche, wie am Beispiel von Fischen ersichtlich ist, erfordert aber in jedem Fall, daß die Bedingung des Gewichtsausgleichs zumindest annähernd erfüllt ist. Ein geringfügiger Trend zum Absinken bzw. Untergehen kann dadurch ausgeglichen werden, daß die Schwimmbewegungen nicht nur horizontal sondern auch gegen das Absinken schräg nach „oben“ gerichtet werden. Im Extremfall kann ein Lebewesen mit sehr schnellen Beinbewegungen auch „auf dem Wasser wandeln“ wie das Beispiel der „Jesus-Christus-Echse“ (Basiliscus basiliscus) zeigt.

Schwimmen ist für den Menschen eine beliebte Freizeitbeschäftigung in natürlichen Gewässern wie Meeren, Seen und Flüssen sowie auch speziell dafür gebauten Schwimmbädern und Swimmingpools. Für einige Menschen gehört das Schwimmen zur beruflichen Tätigkeit wie etwa für Rettungsschwimmer, Kampfschwimmer und Taucher.


Schwimmtechnik des Menschen
Da der menschliche Körper zu etwa 70 Prozent aus Wasser besteht und zudem auch mit der Lunge einen luftgefüllten Hohlraum hat, besitzt er etwa das gleiche Gewicht wie das von ihm verdrängte Wasser. Der Rumpf mit seinem höherem Fett- und relativ geringen Muskelanteil, sowie der luftgefüllten Lunge, neigt zum eigenständigen Schwimmen, während die Beine und der Kopf mit ihren hohen Muskel- und Knochenanteilen eher zum Absinken neigen. Das Problem für den Menschen beim Schwimmen ist daher weniger der Verbleib an der Oberfläche als die überlebenswichtige Freihaltung der Atemwege während des Aufenthalts im Wasser.

Im einfachsten Fall genügt ein unkoordiniertes Strampeln mit den Beinen zusammen mit Paddelbewegungen der Arme oder "Wassertreten", um den Kopf über Wasser zu halten und mehr oder weniger vorwärts zu kommen. Bestimmte Bewegungen erwiesen sich jedoch als effektiver und weniger kraftraubend, so daß sich mit der Zeit mehrere besondere „Schwimmstile“ des Menschen herausbildeten, die in mehr oder weniger zahlreichen individuellen Abwandlungen benutzt werden.

Die einfachste Art ist das Brustschwimmen, das mit dem brustseitig flach im Wasser liegenden Körper und dem hochgehaltenen Kopf in der „Alltagsausführung“ die ständige freie Atmung ermöglicht. Arme und Beine bewegen sich dabei paarweise im Gleichtakt, wobei die zunächst nach vorn gestreckten Arme eine rückwärts ziehende Bewegung und die Beine eine zusammenschlagende Grätschbewegung machen. Der Armzug erfolgt, während die Beine angewinkelt zum Rumpf geführt werden und der Grätschschlag erfolgt, während die Arme wieder nach vorn gestreckt werden. Hauptantrieb ist hier der Beinschlag. Trotz der abwechselnden Vortriebsbewegung von Bein- und Armpaaren zeigt der„Bruststil“ eine ständig wiederkehrende Abbremsung und Beschleunigung der Vorwärtsbewegung aus, welche diesen Schwimmstil vergleichsweise uneffektiv sein lässt.

Der erheblich effektivere Kraulstil entstand zuerst bei den wasserverbundenen Insulanern der Südsee. Statt des paarweisen Armzugs erfolgt ebenfalls bei Brustlage ein wechselseitiger Armzug, der den größten Anteil an der Antriebserzeugung hat. Zudem werden die Arme nicht unter, sondern kraftsparend über Wasser wieder nach vorn zur neuerlichen Zugbewegung geführt. Zur Stabilisierung der horizontalen Wasserlage kommen wechselseitige Paddelschläge der gestreckten Beine hinzu. Das Überwasserhalten des Kopfes ist beim Kraulen jedoch mühsamer als beim Brustschwimmen. Geübte Schwimmer lassen u.a. deshalb das Gesicht während des Schwimmens im Wasser, wobei nur zur Einatmung beim Abschluss eines Armzuges Mund und Nase seitlich aus dem Wasser gedreht werden. Auf langen Strecken ist „Kraulen“ der ökonomischste und schnellste Schwimmstil des Menschen.

Beim Rückenschwimmen mit rückenseitiger Flachlage im Wasser bleibt das Gesicht ohne besondere Anstrengung ständig oberhalb des Wasserspiegels. Die Arme werden dabei entweder paarweise oder wechselweise über den Kopf und über Wasser nach vorn geführt und vollführen eine Zugbewegung bis auf Hüfthöhe unter Wasser. Bei paarigem Armzug erfolgt ein Grätsch-Beinschlag wie beim Brustschwimmen („Altdeutsch Rücken“), bei wechselweisem Armzug ein Paddelbeinschlag wie beim Kraulschwimmen.

Für das rein sportliche Schwimmen sind diese "Basis-Schwimmarten" erheblich weiter verfeinert und variiert worden. Eine rein sportlich geprägte Schwimmart ist der Schmetterlingsstil, zeitweilig auch Delfinstil genannt. Er ähnelt in seiner Anfangsvariante mit einem Grätschbeinschlag dem Bruststil, jedoch wird der Oberkörper so weit aus dem Wasser gehoben, daß die Arme nach einem Zug über der Wasserfläche schnell und ohne Bremswirkung nach vorn zum neuerlichen Zug geführt werden. In der modernen Ausführung werden die Beine gestreckt und geschlossen gehalten und vollführen zusammen mit dem Rumpf eine vertikale Schlängelbewegung wie sie bei Delfinen zu beobachten ist. Es ist nach Freistil der zweitschnellste Schwimmstil des Menschen, jedoch so kraftraubend, daß er nur über relativ kurze Strecken durchgehalten wird.


Schwimmen und Gesundheit

BabyschwimmenSchwimmen wird zu den gesündesten Freizeitbetätigungen gezählt und gilt auch als Sportart mit geringem Verletzungsrisiko. Durch den Auftrieb im Wasser wird der Körper unterstützt und die Belastung für die Gelenke und Knochen deutlich verringert. Dies lässt Bewegungen zu, die bei Betätigungen außerhalb des Wassers wegen der Belastungen und der Gleichgewichtshaltung unterlassen werden. Das Herz wird bei mäßiger Bewegung entlastet, da der Wasserdruck den venösen Rückstrom erleichtert. Darüber hinaus wirkt die Wassertemperatur anregend auf den Kreislauf.

Beim Schwimmen werden fast alle Muskeln beansprucht, wobei die Arme und der Oberkörper stärker trainiert werden. Allerdings hängt die Verteilung auch vom jeweiligen Schwimmstil ab. Schwimmen ist eine aerobe Tätigkeit, bei der die Muskeln konstant mit Sauerstoff versorgt werden. Schwimmen ist für Menschen in jedem Lebensalter geeignet. Für kleine Kinder gibt es spezielle Angebote, bei denen sie das Schwimmen lernen können, sog. Babyschwimmen.


Geschichte des Schwimmens

Die feine Pariser Gesellschaft beim Schwimmen und Springen (Stich aus der Serie Le Supreme Bon Ton, um 1810/1815)
Schwimmen lernen im 19. Jahrhundert - Vorübung auf dem LandeDas Schwimmen ist seit prähistorischen Zeiten bekannt. Ältestes Zeugnis des Schwimmens ist ein Siegelzylinder aus Ton, der aus dem 9. bis 4. Jahrtausend v. Chr. stammt und in der "Höhle der Schwimmer" nahe von Wadi Sora in Ägypten gefunden wurde. Aus griechischer und römischer Zeit sind Schwimmlehrer und Hilfsmittel wie Binsengürtel, luftgefüllte Schläuche oder Korkschwimmgürtel erwähnt. Um 310 v. Chr. wird von einer römischen Militärschwimmschule berichtet. Die Römer schwammen im Tiber oder in Fischteichen (Piscinae). In der Kaiserzeit (27 v. Chr. bis 476 n. Chr.) entstanden größere Schwimmbecken (natationes) innerhalb der Thermen.

Schriftliche Zeugnisse reichen bis 2000 v. Chr. zurück. Dazu gehören Gilgamesch, die Ilias und die Odyssee, Beowulf sowie die Bibel (Ezechiel 47:5, Apostel 27:42, Jesaja 25:11).

1538 erschien das erste bekannte Schwimmlehrbuch von Nikolaus Wynmann mit dem Titel Der Schwimmer oder ein Zwiegespräch über die Schwimmkunst.

Johann Christoph Friedrich Guts Muths (* 1759; † 1839) begründete in seinem 1798 erschienenen "Kleinen Lehrbuch der Schwimmkunst zum Selbstunterricht" eine systematische Schwimmausbildung. Unter anderem empfiehlt er eine allmähliche Gewöhnung an das Wasser, Trockenübungen an Land sowie Übungen mit dem Schwimmgürtel im Wasser.

In der Folgezeit wurden zunächst die Trockenübungen an Land ausgebaut, ab 1810 fand der Schwimmunterricht als Massenunterricht, zunächst in Militärschwimmschulen, statt. Erst um 1925 gelang die Loslösung von der mechanistischen Sicht des Schwimmenlernens durch Kurt Wiessner. Dieser räumte der Wassergewöhnung wieder einen höheren Stellenwert ein und war ein Verfechter des gerätelosen Schwimmunterrichts. Statt mit Zählkommandos ließ er die Schüler die Bewegungsabläufe schwungvoll und von Anfang an im Wasser ausführen. Er gilt damit als Wegbereiter der modernen Schwimmausbildung.


Begriffliche Ableitungen
Die Tatsache, dass man beim Schwimmen keinen Bodenkontakt hat, zeigt sich auch in der sprachlichen Verwendung. Das Wort wird benutzt, um ein Gefühl der Unsicherheit (z.B. beim Vortrag ins Schwimmen kommen) oder einen diffusen Eindruck (verschwimmen, z.B. die Buchstaben schwammen vor den Augen) zu beschreiben. Außerdem kann man im übertragenen Sinn in etwas anderem als Wasser schwimmen, z.B. im Geld, wenn man es im Überfluss besitzt.

Schwimmen ist auch der Name eines Kartenspiels, siehe Schwimmen (Kartenspiel)